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1690

135.Gegen-Satz.

Gottfried Arnold

Ach! triumphier nicht vor dem Siege O Seel wo wiltu fliehen hin Da dein geblendter Eigen-Sinn Vor Feinden frey und sicher liege.

Suchstu noch Ruh in äussern Dingen? Ach! glaube mir du findst sie nicht. Wirstu nicht nach dem innern ringen So ists mit dem nicht außgericht.

Laß dein Verlangen weißlich hangen An jener wahren Einsamkeit Die dich erst von dir selbst befreyt Wenn du bist auß dir selbst gegangen.

Die Selbst-Lieb muß dich gantz verlassen Die Dauben-Flügel müssen dich In Krafft des Geistes starck erfassen Mit Gott verbinden festiglich.

Drum bleib nur im Gehorsam stehen; Kein Kriegs-Mann weicht von seiner Post Obs auch schon Blut und Leben kost! Wenn ihn sein Herr dahin heißt gehen.

Der Glaube weiß nicht von eignem Willen Er sieht ihm selbst den Weg nicht auß Dadurch er Gottes Will erfüllen Und auß dem Streit will kommen rauß.

Du bist dir selbst die gröste Plage Du trägst noch Babel stäts in dir. Wiltu noch Ruh geniessen hier So laß dir keine süsse Tage

Durch süsse Träume hier vorlegen Du machst dich nur mehr mißvergnügt; Die Liebe Jesu wird dich hegen Die alles Wissen überwiegt.

Nun freue dich auff jene Kammer des Friedens da du wohnen wirst Wenn dich nicht mehr nach Ruhe dürst Und bist befreyt von allem Jammer

Den hier noch Städt und Wüsten haben Und wo du nur wilt fliehen hin. Die Einsamkeit kan dich nicht laben Wenn mit dir zieht dein eigen Sinn.

Du kanst auch mitten im Getümmel Der Welt den Vatter beten an Der dich doch bald erlösen kan Wenn dir schon nützte jener Himmel

Und dich Egypten nicht soll üben Daß deiner Treiber schweres Joch Dich lernte recht den Himmel lieben Und dein Verlangen stillte noch.

Da ist ein Canaan zu hoffen Kein Paradieß ist mehr allhier. Es hat noch niemand der mit dir Entfliehen will den Zweck getroffen.

Die Hoffnung mehrt sich mit den Dingen Die süß und doch unsichtbar sind Es muß uns doch zuletzt gelingen: Bleib nur in Einfalt Gottes Kind.

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