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1806

Vorladung vor Gottes Gericht

Ludwig Achim von Arnim

Es sprach eine Mutter zu ihrem Sohn: „Must heirathen, was sagst du dazu, Du must eine andre heirathen, Dein feines Lieb must du nun lassen.“

„Ach nein, ach nein, das kann nicht seyn, Daß ich muß scheiden von meinem Schätzelein, Wir haben einander genommen, Können nicht mehr von einander kommen.“

„Habest du genommen, wen du willt, Du bist mein Kind und folgest mir nit?“ Ey Mutter, jezt will ich dir folgen, Ey geh es mir, wie es auch wolle.

Und da es war am Hochzeittag, Und alle Leut so lustig warn, Der gute Gesell war so betrübet Von wegen seiner andern Herzliebsten.

Es stand nicht länger als drey Tage an, Der gute Gesell so tödtlich krank war, Er käm seiner Liebsten vor den Laden, Ein Gott behüt will er von ihr haben.

Sie aber gab einen harten Fluch, Davon er schon hatte zu viel und genug; Ich will ihn meinen Aeltern aufladen, Ich will beyde aufs jüngste Gericht laden.

In zweyen Monden und das werd wahr, Ich lad sie vor Gottes Gericht so gar. In zweyen Monden sie starben zusammen, Ihr Weinen thät löschen die höllischen Flammen.

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