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1806

Nachtmusikanten

Ludwig Achim von Arnim

Hier sind wir arme Narrn Auf Plätzen und auf Gassen, Und thun die ganze Nacht Mit unsrer Musick passen.

Es giebt uns keine Ruhe Die starke Liebes-Macht, Wir stehen mit dem Bogen Erfroren auf der Wacht;

Sobald der helle Tag Sich nur beginnt zu neigen, Gleich stimmen wir die Laut, Die Harfen und die Geigen.

Mit diesen laufen wir Zu mancher Schönen Hauß, Und legen unsern Kram, Papier und Noten aus.

Der erste gibt den Tackt, Der andre bläßt die Flöten, Der dritte schlägt die Pauck', Der viert stößt die Trompeten.

Ein andrer aber spielt Theorb und Galischan Mit gar besonderm Fleiß, So gut er immer kann.

Wir pflegen auch so lang An einem Eck zu hocken, Bis wir ein schön Gespenst Hin an das Fenster locken;

Da fängt man alsbald an Vor der Geliebten Thür Verliebte Arien Mit Pausen und Suspir.

Und sollten vor der Wacht Wir endlich weichen müssen, So macht man statt der Händ', Die Läufe mit den Füßen.

Und also treiben wirs Oft durch die lange Nacht, Daß selbst die ganze Welt Ob unsrer Narrheit lacht.

Ach schönste Phillis hör Doch unser Musiciren, Und laß uns eine Nacht In deinem Schoos pausiren.

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