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1806

7. Erziehung durch Leidenschaft

Ludwig Achim von Arnim

O Zorn, du Abgrund des Verderbens, Du unbarmherziger Tyrann; Du frissest, tödtest sonder Sterben, Und brennest stets von neuem an;

Wer da geräth in deine Haft Bekommt der Hölle Eigenschaft. Ach wären wir verwahret blieben, Vor deiner strengen Widrigkeit;

Wie selig wären wir im Lieben, Und wüßten nicht, was Ungleichheit Im Guten und im Bösen sey, So wären wir des Zornes frey.

O daß wir doch wohl mögten fassen, Woher der Grimm entsprungen sey; Und stünden in der Lieb gelassen, Und hielten uns des Zornes frey;

Der Hochmuth und die Eigenheit Erregen Zorn und Grimmigkeit. Laß mich aus Eigenheit ausgehen, Und aller Selbheit sterben ab;

Die Lieb heiß in mir auferstehen, Und allen Zorn schick in das Grab; Daß keine Noth mir mehr setz zu, Kein Widerwille brech die Ruh.

Die Liebe, die nicht ist ihr eigen, Die sich in allem macht gemein; In mir sich laß in Demuth zeigen, Laß mich ein Kind der Liebe seyn;

Der alten Schlange Kopf zerbrich In mir und dann erkenne dich. Wo ist o Liebe deine Tiefe, Der Urgrund deiner Wunderkraft;

Seel, komm ein einzig Tröpflein prüfe Von dieser Wirkungseigenschaft. O wer in diesem tiefen Meer Gleich einem Tröpflein sich verlör!

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