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1814

Frühlingstraum

Ernst Moritz Arndt

Ging ich aus ins Frühlingstal, Wollte Blüten fangen, Blumenlust und Sonnenstrahl, Alt und jung Verlangen.

Altes, wieder grün und kraus, Webte frische Ranken, Junges in die Welt hinaus Schneller als Gedanken.

Aber weh! Der Himmel zog Dunkel sich zusammen, Und ein Donnersturmwind flog Her mit Blitzesflammen:

Wald und Feld und Au und Tal Ringsumher zerzauset, Und der Lerch' und Nachtigall Jeder Ton vergrauset.

Nur vom Stumpf und Dornbusch krächzt Kräh' mir und Neuntöter, Und aus Turmgetrümmer ächzt Kauz, der Schwerenöter.

Und der ganze Frühlingstraum Hinnen wie geschwinde! In den öden, weiten Raum, Weg in alle Winde!

Lenzesbild, du Lebensbild – Fliege mit, o Wandrer, Was dir heut verwelkt, verquillt, Morgen fängt's ein andrer.

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