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1814

Frühlingsruf an den Greis

Ernst Moritz Arndt

O holder Frühling, lieblicher Mai, Wie lustig hör' ich noch dein Juchhei! Die Vögel singen, die Bäche klingen, Die Kinder und Lämmer zu Felde springen,

Und Kuckuck, Lerch' und Nachtigall Tönen durcheinander den Freudenschall. Dein Dreimalschelm doch, der Kucku, Zählt schon mir kürzeste Zahlen zu:

Wie schrie er zu vierzig und fünfzig Malen Sonst ungefragt mir die langen Zahlen! Jetzt ruft mit neckischem zwei und drei Er mir im Fluge: Vorbei! Vorbei!

Schrei' er sich heiser mit zwei und drei, Ich schreie dem fröhlichen Mai Juchhei! Seinen Abendschimmern und Morgenröten Seinen Stimmen, die Freude und Liebe flöten.

Mich schreckt kein Kuckucksprophetenschrei, Sein eins, zwei, drei und sein Vorbei. Drum kling' ich lustig Juchhei! Juchhei! Auf! Leuchte, Frühling, und jauchze, Mai!

Mich hat vor Gripsgrabbelei und Sorgen Das fröhliche Sprüchlein vorlängst geborgen: Auf Leid folgt Freude, auf Winter Mai, So wandelt Leben und Jahr vorbei.

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