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1814

Auf dem Rugard im Herbstmond 1811

Ernst Moritz Arndt

Wohin, du freundlicher Strahl, Wohin locket dein Frühlicht? Wohin, dämmernder Morgen, Spielet dein wechselnder Schein?

Berge steigen unter der Berghöh', Waldige Hügel steigen Duftig an dem Gestade des Meers auf, Wo ich als Knabe gespielt.

Und es schwellet mir Sehnsucht Leuchtende Augen, Und es flüstert süße Erinnrung Künftige Freuden

Mir ins lauschende Ohr: Tor, wohin mit der Unruh'? Kennst du der Ferne Gauklisch äffendes Ziel nicht?

Weißt du nicht, was um Paläste Goldenen Trug spinnt? Nicht, was an Thronen Schüttelt mit blut'gem Verrat?

Hier eine Hütte, wo die liebliche Talkluft Gegen den südlichen See Abschließt, wo an dem Waldberg Nachtigallieder der Frühling weckt,

Und ein Feldchen, an dessen Fernster Grenze dein Weib dir Von der Schwelle rufet: Spann aus nun, Denn das Mahl ist bereit.

Aber siehe! Die Nebel Sinken hin vor der höheren Sonne. Schaue, wie fliegen Wandernde Masten

Hin durch die Flut! Taumelnde Berghöhn Wandeln mit ihnen, Schimmernde Türme

Stattlicher Städte Fließen und tanzen Jenseits im Blauen, Und die Bewegung

Mächtigen Lebens Brauset auch mir in die Flügel der Seele, Lüftet des Busens

Schwellende Segel. Fahr wohl, Ruhe! Wiege der Kindheit, Liebliches Eiland, fahr wohl!

Und wiege in Freuden Hinfort ein glücklich Geschlecht! Ich mag nicht bleiben, Denn in die Weite

Lockt die Gefahr mich, Süße Sirene; Dräuend auch stellt sich Blinkender Rüstung

Riesengestalt mir: Arbeit bei Menschen Heißt sie, den Göttern Klingt sie Minerva.

Drum muß ich hinnen; Wo sich die Länder Hängen an Länder, Wo sich die Kämpfe

Drängender mischen, Da steht mein Leben: Stille, fahr wohl!

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