Skip to content
1503

Achter Gesang

Ludovico Ariosto

Wie viele Zaubrer, ach, und Zaubrerinnen Sind unter uns, von denen man nichts weiß! Die mit Betrug ein liebend Herz gewinnen, Mit falschem Antlitz schüren Gluten heiß!

Sie fördern nicht durch Geister ihr Beginnen, Erkunden nicht der Sterne Lauf mit Fleiß, Derweil sie mit Verstellung, List und Lügen Ums Herz die Bande, unzerreißbar, fügen.

Wer mit dem Zauberring, vielmehr dem Ringe Der Einsicht stünde, wohl wär' ihm verliehn, Bis auf den Grund zu schauen, weil die Dinge Nicht Trug und Täuschung hätten mehr für ihn.

Dann zeigte schlecht sich mancher und geringe, Der da, geschminkt, ganz schön und gut erschien. Für Roger war's ein glückliches Geschehen, Daß ihn der Ring ließ also Wahrheit sehen.

Verstohlen trabt – so sagt' ich – unser Reiter Auf seinem Rabikan zum Tore her: Nichts ahnt die Wache, und der junge Streiter Fährt unter sie, haut um sich kreuz und quer,

Zerschlägt das Brückentor und reitet weiter (Den läßt er tot und den getroffen schwer) Und sprengt zum Wald, als ihm auf seinen Wegen Ein Diener der Alcine tritt entgegen.

Ein Habicht auf der Faust gab ihm Geleite, Mit dem er alle Tage jagen ging, Bald nah dem See, bald durch des Feldes Weite, Wo jederzeit sich etwas Beute fing;

Der Hund, sein Jagdgenoß, trabt' ihm zur Seite; Der Klepper, drauf er ritt, war nur gering. Gleich denkt er sich, der Ritter woll' entfliehen, Als er so rasch ihn sieht des Weges ziehen.

Mit drohnder Miene tritt er ihm entgegen Und fragt ihn barsch, warum er eile doch. Antworten wollt' ihm nicht der gute Degen; Das macht dem Knecht die Flucht gewisser noch:

Er schickt sich an, den Weg ihm zu verlegen, Und spricht, den linken Arm erhoben hoch: „Was meinst du, wenn du jetzt dir Ruhe gönntest Und diesem Vogel nicht entfliehen könntest?“

Auf fliegt der Vogel, regt so schnell die Flügel, Daß Rabikan nicht seines Siegs gewiß. Herab nun springt der Jäger aus dem Bügel Und löst dem Renner Zügel und Gebiß.

Der gleicht dem Wind und Blitz, befreit vom Zügel, Furchtbar durch seine Hufe und durch Biß. Und hinterdrein muß nun der Diener jagen, So schnell, als hätte Feuer ihn am Kragen.

Nun will der Hund auch nicht dahinten bleiben: Mit solcher Hast verfolgt er Rabikan, Wie da im Wald die Panther Hasen treiben. Da wandelt Scham zu fliehn den Helden an:

Den Mann zu Fuß gilt es zuerst vertreiben; Den sieht er rüstig mit dem Stecken nahn, Von ihm gebraucht, um Hunde abzurichten; Das Schwert zu ziehn, will Roger da verzichten.

Der Knecht beginnt mit Kraft den Stock zu schwingen, Ins linke Bein des Ritters beißt der Hund, Derweil des Kleppers Hufe Nöte bringen, Der dreimal ausschlägt, und nach rechts jetzund.

Der Vogel kreist herum in tausend Ringen, Und seine Klauen schlagen manche Wund'; Auch macht sein Schrei des Helden Rappen scheuen, Daß Sporn und Zügel ihn umsonst bedräuen.

Nun doch zum Schwert greift Roger in der Enge, Und ob des Unfugs, der ihn so beschwert, Wird auf den Kerl, den Hund, des Vogels Fänge Der Waffe Schneid' und Spitze jetzt gekehrt.

Der Schwarm bringt immer mehr ihn ins Gedränge Und hält ihm allerorts den Weg verwehrt. Schon sieht der Jüngling Schimpf und Schaden kommen, Wird nicht das Hindernis bald weggenommen.

Macht man ihm nur ein Weilchen noch zu schaffen, Hat er auf Fersen die von unten all: Er hört den Lärm schon, wie sie auf sich raffen, Den Glocken-, Trommel- und Trompetenschall.

Jetzt gegen Hund und Bauer ohne Waffen Das Schwert ziehn, wär' ein zu fataler Fall; Eins wird den Zweck viel kräftiger erfüllen: Den Zauberschild des Atlas zu enthüllen.

So ließ er frei den roten Schleier wallen, Der viele Tage schon den Schild umschloß; Die Wirkung war dieselbe wie bei allen, In deren Augen sich das Licht ergoß:

Bewußtlos sieht er gleich den Jäger fallen, Des Vogels Schwinge fällt wie Hund und Roß; Nicht in der Luft mehr kann der Habicht schweben: Sie liegen da, dem Schlaf dahingegeben.

Alcine, die inzwischen hat erfahren, Daß dem geliebten Mann die Flucht geglückt Und viele tot von ihren Wächterscharen, Fühlt bis zum Sterben sich vom Schmerz zerstückt,

Zerreißt die Kleider, wühlt in ihren Haaren Und schilt sich selber töricht und verrückt. Dann ruft sie rasch das Kriegsvolk zu den Waffen, Den flüchtgen Ritter ihr herbeizuschaffen.

Zwei Teile macht sie und entsendet einen Auf jenem Wege, drauf der Ritter flieht; Am Hafen muß der andre sich vereinen, Von wo zu Schiff er in die Weite zieht;

Das Meer wird schwarz vor all den Segeln scheinen, Mit denen die Verfolgung jetzt geschieht. Von Sehnsucht läßt die Fee sich so erfassen, Daß sie die Stadt hat ohne Schutz gelassen.

Das Schloß sogar war völlig ohne Wachen, So daß Melissa, die auf Lauer stand, Die leidvoll dort Gebannten freizumachen Von solcher Tyrannei, nun leicht es fand,

Mustrung zu halten in den vielen Sachen, Sorglich zu prüfen jeden Gegenstand, Siegel zu lösen, Bilder zu verbrennen Und Schlingen, Knoten, Schleifen aufzutrennen.

Sie eilt hinaus durch Felder und durch Haine Und gibt den Liebenden, auf weiter Flur In Fels verwandelt, Holz, Quell, Tiere, Steine, Zurück die alte menschliche Natur.

Sie folgten (und zwar schleunig, wie ich meine) Zu Logistilla Ritter Rogers Spur Und kehrten heim sodann zum Griechenstrande, Zum Perser-, Skythen- oder Inderlande.

Sie ziehn nach Haus, entlassen von Melissen, Mit einer Dankesschuld, die ewig währt. Astolf zuerst war, seinem Baum entrissen, In menschlicher Gestalt zurückgekehrt.

Blutsfreunde haben, für sein Wohl beflissen, Mit Roger manches Gute ihm beschert. Damit die Fee noch mehr ihm Hilfe bringe, Beschenkt sie Roger noch mit seinem Ringe.

So ließ sie denn zurück ins Leben führen Den Paladin; er geht wie sonst umher. Doch mehr will, meint Melissa, sich gebühren, Jetzt gilt es eins: die Waffen müssen her:

Zumal, der aus dem Sattel beim Berühren Den Gegner schleudert, jener goldne Speer Des Argalia, dann des Astolf Lanze, Die viel in Frankreich tat zu beider Glanze.

Melissa wußte diesen Speer zu finden, Verborgen von der Fee im Schlosse hier, Und was der Herzog sonst noch sah entschwinden Zuvor in diesem übelen Quartier;

Bestieg des Zaubrers Renner, den geschwinden, Gönnt' einen Platz Herrn Astolf hinter ihr: Vor Roger eine Stunde war die Weise Bei Logistilla schon nach schneller Reise.

Der Jüngling ging der guten Fee entgegen Durch Felsgestein und dorniges Gefild', Von Höh' zu Höhen und von Steg zu Stegen, Ungastlich all und einsam, rauh und wild,

Bis er zuletzt nach mühevollen Wegen In Mittagsglut auf einem Plane hielt, Der, frei nach Süden, zwischen Berg und Strand war Und öd und nackt, unfruchtbar und verbrannt war.

Prall liegt die Sonn' auf nahem Hügelraine, Und solche Hitze strömt das Feld entlang Und macht die Luft erglühen, Sand und Steine – Glas schmelzen könnte man an jenem Hang;

Reglos im Schatten sitzen Vögel, kleine, Und nur der Grill' eintöniger Gesang Betäubt in dichter Sträucher Laubgewimmel Die Täler und die Berge, Meer und Himmel.

Auf sandgem Wege mühsam hinzureiten, Mit Durst nur und mit Hitze als Genoß, Will unserm Ritter wenig Lust bereiten, Und Rogers Ungemach ist wahrlich groß.

Doch ziemt es nicht, stets einen zu begleiten, Von einer Sache zu erzählen bloß, So lassen wir jetzund den Helden schwitzen Und schaun: wo mag Rinald in Schottland sitzen?

Rinald war bei dem König hochwillkommen, Auch bei der Tochter und beim ganzen Land. Er macht den Grund, weshalb er hergekommen, Sobald ihm Muße wurde, dort bekannt:

Gern würde Hilfe von ihm mitgenommen Für Karl, aus Schottland und aus Engelland; Des Kaisers Bitten nicht nur zu verkünden Wußt er, nein, auch gewichtig zu begründen.

Der König zögert nicht, Bescheid zu sagen: Nach Kräften werd' er folgen dem Begehr Und immer sich zu Reich und Kaiser schlagen; Sein Nutzen heische dies und auch die Ehr';

Von seinen Reitern soll' in wenig Tagen Gewappnet stehn ein möglichst großes Heer; Und wär' er selbst nicht gar so hoch an Jahren, Als Feldherr würd' er mit zu Felde fahren.

Doch auch das Alter nicht könnt' ihn, den Alten, Zu gehen hindern, wäre nicht sein Sohn Besonders würdig, solchen Amts zu walten, Stark, hochbegabt und aller Tugend Kron'!

Und würd' er jetzt noch fern dem Reich gehalten, So müss' er kommen doch beizeiten schon, Um jenen vor der Fahrt sich zu gesellen Und an des Heeres Spitze sich zu stellen.

Schatzmeister hat der Herrscher in die Weite Nach Pferden und nach Mannschaft ausgesandt. Er ließ die Schiffe rüsten vor dem Streite Und eilig sammeln Geld und Proviant.

Rinald dann gab er höflich das Geleite, Als dieser Abschied nahm nach Engelland: Von Berwick erst wollt' er nach Hause kehren; Er hatte, als er schied, im Auge Zähren.

Rinald steigt ein, wünscht wohl zu leben allen, Und günst'gen Windes Hauch die Segel bläht: Schon ist das Tau vom Halteblock gefallen, Und flott die Fahrt bis hin zur Mündung geht.

Wo salziger der Themse Wogen wallen, Die Meeresflut gerad im Wachsen steht; Und Wind und Ruderkraft die Schiffe treiben, Bis London kommt und sie vor Anker bleiben.

Von Karl und Otto war Rinald befohlen (Als eingeschlossen in Paris die zwei), Zu melden an den Prinz von Wales verstohlen Durch Vollmacht und durch Briefe der Kanzlei:

Was man in jener Gegend könne holen, An Pferd und Leuten, rasch zu sammeln sei Und übers Meer hin nach Calais zu schaffen, Zum Heil für Kaiser Karl und Frankreichs Waffen.

Es ehrt der Prinz, der als Regent gelassen Am Herrschersitz von König Otto war, Rinald den Helden über alle Maßen Und mehr als seinen eignen Herrn sogar.

So ließ er, um nichts unerfüllt zu lassen, Entbieten alle waffenfäh'ge Schar Britanniens und der Inseln in der Runde Zum Meeresstrand zur festgesetzten Stunde.

Bedenkt, o Herr, in Huld, daß mein Beginnen Dem klugen Saitenspieler gleichen soll: Er läßt die Weisen durcheinanderrinnen; Spielt jetzt in Dur und gleich darauf in Moll.

Derweilen nach Rinald ging all mein Sinnen, Erscheint Angelika mir vorwurfsvoll: Sie hatte durch die Flucht sich ihm entwunden Und jenen Klausner unterwegs gefunden.

So folgen wir ihr jetzt, wenn auch nicht lange: Gesagt hab' ich, wie sie in Sorge schwebt, Daß sie zum Strand des Meeres hingelange; Dies zu durchkreuzen ist, was sie erstrebt,

Weil vor Rinaldo ihr zum Sterben bange, So daß sie nie im Westen ruhig lebt. Allein der Klausner sucht sie hinzuhalten: Bei ihr zu sein, behagte diesem Alten,

Dem ihre Schönheit Herzensglut entfachte: Ins kalte Mark ein Feuerfünkchen dringt; Doch als er merkte, daß sie sein nicht achte, Und daß ihm, sie zu halten, nicht gelingt,

Kam's, daß den Esel er zu spornen dachte, Doch ohne daß er ihn zur Eile bringt: Schritt nur ganz wenig, Trab noch wen'ger geht er, Und sich zu strecken ganz und gar verschmäht er.

Das Mädchen war schon weit vorausgeritten; Als er beinah schon ihre Spur verlor, Mußt er sich Hilfe von der Höll' erbitten Und ließ Dämonen kommen, schier ein Korps.

Drauf wählt' er einen aus des Schwarmes Mitten Und schrieb ihm, was er machen solle, vor. Er muß ins Pferd hinein die Straße finden, Denn auf dem Renner will sein Herz entschwinden.

So wie ein Hund, gewohnt im Berg zu jagen, Wo er gar oft die Füchs' und Hasen hetzt, Sieht er nach dieser Seit' ein Wild sich schlagen, Nach jener geht, die Spur geringe schätzt

Und unversehns die Beute hat am Kragen Und ihr den Leib aufreißt und sie zerfetzt, So muß die Dame, wie sie auch geritten, Begegnen jedenfalls des Klausners Schritten.

Ich kann's begreifen, was der Kerl noch planet, Und nenn' Euch später noch des Argen Ziel. Angelika, die nichts von allem ahnet, Ritt Tag für Tag, bald wenig und bald viel.

Im Pferd der Geist sich sacht die Wege bahnet, Verborgen, wie's dem Feuer oft gefiel, Bevor es aufloht in so mächt'gen Flammen, Daß nichts es löscht und alles sinkt zusammen.

Die Jungfrau wählt sich ihren Weg am Strande Des Meers, das den Gascognern bietet Gruß, Und hält den Renner dicht am Uferrande, Wo Feuchtigkeit gibt festern Grund dem Fuß:

Da zieht der Geist das Roß hinweg vom Sande Ins Wasser tief, daß es drin schwimmen muß. Die Schöne weiß nicht Rat für ihr Verhalten, Als nur recht fest im Sattel sich zu halten.

Sie mag die Zügel ziehen nach Gefallen, Der Hengst drängt weiter nach der Tiefe vor: Aufwärts muß sie das Kleid zusammenballen – Sonst taucht es ein – und zieht den Fuß empor;

Über die Schultern frei die Haare wallen, Drin lüstern spielt der losen Lüfte Chor. In stummer Schau die größern Winde schweigen, Als müßten solcher Schönheit sie sich neigen.

Die tränenfeuchten schönen Augen flogen – Vergebens, ach – hinüber nach dem Strand: Des Ufers Linien fern und ferner zogen, Undeutlich ward es, bis es ganz verschwand.

Da trug der Zelter rechts hin durch die Wogen Die Maid nach langer Schwimmfahrt an das Land, Das düstrer Fels und Höhlen furchtbar machten, Derweil es mählich schon begann zu nachten.

Einsam in diese Wüste hier verschlagen, Grausig zu sehen schon und schauerlich, Zur Stunde just, da Phöbus mit dem Wagen, Fern dunkler Erd' und Luft, ins Meer entwich,

Da blieb sie stehn – man wußte nicht zu sagen (Wenn einer sie mit Späherblick beschlich), Ob sie ein Menschenkind aus Fleisch und Bein sei, Ob sie ein Bildwerk aus bemaltem Stein sei.

Die Haare wirr und fliegend im Genicke, Stand regungslos und starr die junge Maid, Sah mit gerungnen Händen, trübem Blicke Und stummem Mund zum Himmel still und weit,

Als klage sie dem Lenker der Geschicke, Daß er ihr nichts gesandt als Weh und Leid, Stand wie betäubt, nach einer Weil' erschlossen Die Lippen sich dem Schmerz, die Augen flossen.

Sie sprach: „Was kannst du, Schicksal, wohl noch finden, Zu sätt'gen dich an mir, zu schänden dich? Du ließest alles, das ich hatte, schwinden, Nur nicht mein Leben; was verschmähst du's? Sprich!

Was mußtest du dem Meer es jetzt entwinden, Verlängerst meine Tage freventlich? – Nur daß, bevor der Tod mich soll erwählen, Noch weiter dir vergönnt sei, mich zu quälen.

Zwar Schlimmeres vermagst du nicht zu bringen, Als was mir Böses schon dein Haß ersann: Heimat und Thron durch dich verlorengingen; Ach, daß ich nie sie wiedersehen kann!

Das Höchste willst du mir, die Ehr' entringen: Denn focht mich Sünde gleich noch niemals an, So mag die Welt doch sagen, weil ich flüchtig Und heimatlos, so sei ich auch nicht züchtig.

Was nützt den Mädchen Gutes, sprach man ihnen Die Tugend ab und rechte Züchtigkeit? Jung bin ich, ach, und vielen schön erschienen; Sei's wahr, sei's falsch, mein Fluch ist's allezeit.

Zur Freude kann das Gottgeschenk nicht dienen, Denn nur von ihm ja rührt mein ganzes Leid, Und auch dem Bruder mußte Tod es schaffen, Denn wenig halfen ihm die Zauberwaffen.

Darum war einst mein Vater Galafrone Verdrängt vom Tatarkönig Agrikan, Er, dessen Indien war und Katais Throne, Und ich bin angelangt auf solcher Bahn,

Daß ich des Nachts an andrer Stätte wohne Als tags. Freund', Ehr' und Gut sind abgetan: Sprich, welchem Schmerz noch du mich aufbewahrt hast, Nachdem du mir bisher kein Leid erspart hast?!

Genügt's dir nicht, im Meer mich zu ersticken, Ich will bereit für größre Qualen sein: Magst eine wilde Bestie zu mir schicken! Verschlingt sie mich, so endigt meine Pein.

Bringt sie nur Tod, soll Marter mich erquicken; Ich will dir Dankbarkeit für Qualen weihn.“ So sprach die Jungfrau unter großem Weinen Als sie den Klausner sah vor ihr erscheinen.

Er hatt' hinabgeblickt vom höchsten Rande Turmhohen Felsens auf Angelika: Verwirrt und ganz verzweifelt dort am Strande Am Fuß der Klippen er sie stehen sah.

Ihn trug sechs Tag' vorher zum Küstenlande Ein Dämon (der hat schnelle Wege ja). Mit frommer Mien' ihr jetzt entgegen trat er, Wie Sankt Hilarion oder sonst ein Pater.

Als ihn Angelika sieht näher schleichen – Sie hat ihn nicht erkannt –, so schöpft sie Mut, Die schweren Ängste fühlt sie langsam weichen, Bleibt auch die Wange jetzt noch ohne Blut.

Sie spricht: „Gar üblen Port mußt' ich erreichen; Erbarme dich, nimm mich in deine Hut!“ Und schluchzend gab sie und mit bleichem Munde Von dem, was ihm gar wohlbekannt war, Kunde.

Der Klausner spendet biedern Trost der Bangen Mit schönen frommen Reden allerhand, Und auf den Busen und die feuchten Wangen Legt er, dieweil er spricht, die freche Hand.

Zum Kuß dann, sichrer, sucht er zu gelangen, Doch sie, entrüstet, leistet Widerstand, Stößt ihn zurück, als ob er Unbill böte, Und in das Antlitz steigt ihr keusche Röte.

In eine Tasche griff er auf der Stelle, Zog draus ein Fläschchen Flüssigkeit hervor, Und in die Augen, die als Fackel helle, Als schönste Leuchte Amor sich erkor,

Leichthin ein kleines Tröpfchen spritzt er schnelle, Davon das Augenlid die Kraft verlor: Schon liegt die Schöne schlafend da im Staube, Des gier'gen Alten Lüsternheit zum Raube.

Er küßt sie und berührt sie nach Gefallen; Sie schläft und ist zur Abwehr nicht bereit. Er küßt die Brust, er küßt des Munds Korallen, Und keiner sieht's in dieser Einsamkeit.

Doch bei dem Treffen ist sein Hengst gefallen, Es bleibt das Fleisch ja hinterm Wunsche weit: Er hat die Krankheit vorgerückten Lebens, Und plagt man ihn, so plagt man ihn vergebens.

Alles versucht er, daß er aufrecht schreite, Doch ohne daß der faule Klepper springt. Ob er den Zügel schüttle, abarbeite, Den Kopf er ihm nicht in die Höhe bringt.

Einschläft er schließlich an der Dame Seite, Auf die schon andres, neues Unheil dringt. Ein bißchen will Fortuna nicht genügen, Gewährt ihr, uns zu quälen, ein Vergnügen.

Um deutlich zu erzählen und zum besten, Schweif' ich ein wenig aus dem Pfad heraus. Im Nordmeer ist gelegen, gegen Westen, Noch über Irland eine Streck' hinaus,

Ebuda, eine Insel, nur mit Resten Von einem Volke, weil die Orka graus Und Meergetier, das Proteus zugehörte, Den Gott zu rächen, jenes Land zerstörte.

Ob wahr, ob falsch – die alten Mären künden, Daß dort einmal ein mächt'ger König war: In seiner Tochter sah man sich verbünden Anmut und Schönheit so, daß sie fürwahr

Im Wasser drin den Proteus konnt' entzünden, Bot sie dem Blick sich auf der Salzflut dar. Einmal, als sie allein ist auf dem Anger, Ergreift sie der und macht das Mädchen schwanger.

Entsetzlich, unerträglich schien die Sache Dem Vater, der gar wild und ungerecht: Was für Entschuldigung man geltend mache, Er kennt nicht Mitleid, bleibt des Zornes Knecht.

Auch nicht ihr Zustand sänftigt seine Rache; Er schiebt nichts auf, die Tat wird streng gerächt: Das Enkelkind, das keine Sünde kannte, Eh es geboren, in den Tod man sandte.

Proteus, der Hirte jener wilden Herde Neptuns, des Herrschers in dem Meerrevier, Fühlt ob des Liebchens bittere Beschwerde Und bricht im Zorn Gesetz und Ordnung schier:

Walroß und Robben schickt er auf die Erde Mit einemmal, das ganze Seegetier, Und nicht nur Vieh, auch Stadt und Land und Bürger, Sie werden Opfer dieser grimmen Würger.

Die kommen oft bis an die Städtemauern Und drohn zu den Belagerten hinein. Die Leute, müd und matt, in Schreckensschauern, Müssen bei Tag und Nacht bewaffnet sein;

Verlassen ist das Land von allen Bauern. Sie gehn, um von der Last sich zu befrein, Zuletzt noch das Orakel zu befragen, Und solche Antwort läßt es ihnen sagen:

Man suche eine auserlesne Schöne, So lieblich wie die andre ungefähr: Ob man den Gott vielleicht durch sie versöhne. Die schaffe man zum Meergestade her;

Wenn die Erfüllung dann die Wünsche kröne, Behalt' er sie und wüte dann nicht mehr. Mißfällt sie, gilt es andere zu bringen, Bis endlich die Versuche doch gelingen.

Zuerst sind jene in der schlimmen Falle, Auf deren Wang' am hellsten Schönheit lacht, Denn bis dem Proteus eine wohlgefalle, Wird täglich ihm ein Mägdlein dargebracht.

Die erste starb, und dann die andern alle, Denn stets am Leibe packte sie mit Macht Ein Untier, wachend an den Uferwogen, Derweil die andern waren abgezogen.

Ob das mit Proteus wahr ist, ob nur Sage, Ich weiß es nicht und laß davon die Hand: Ein alt Gesetz, das in so üble Lage Die Mädchen brachte, wirklich dort bestand,

So daß ein scheußlich Walroß alle Tage In Mädchenfleisch am Strande Nahrung fand. Ein Weib sein, ist ja Unglück jedenfalles, Es hier zu sein, ein Unglück über alles.

Den Mädchen wehe, wenn da böse Sterne Zum Volk sie führen, das den Strand bewohnt! Nach Jungfraun schaut das Volk dort in die Ferne, Die sie zu opfern lange schon gewohnt;

Und sterben lassen sie die fremden gerne, Denn eigne Kinder werden dann verschont. Allein nicht jeder Wind bringt ihnen Beute, Drum suchen überall danach die Leute.

Hin durch die ganze weite Meerflut gleiten Die Boote, Kähne, Schiffe jeder Art Und bringen aus der Nähe und vom weiten Erleichterung der Not mit ihrer Fahrt:

Teils müssen sie mit Waffen Fraun erstreiten, Teils wirkt das Gold, mit Schmeichelei gepaart. Gefangne aus verschiedensten Regionen Des Landes Türm' und Kerker stets bewohnen.

So fuhr ein Kreuzer aus von Land zu Landen Und kam auch an den stillen Uferort; Es schlummert auf dem Gras in Schlaftrunks Banden Angelika, die Unglücksel'ge, dort.

Ein paar Matrosen dieses Fahrzeugs landen Und tragen Holz und frisches Wasser fort, Bis sie das lieblichste von schönen Kinden Im Arme jenes frommen Vaters finden.

O Beute, allzu hoch und allzu teuer Für solche wilde Menschen, wie da nahn! Wer sollte glauben, daß du so das Steuer, Fortuna, führst auf dieser Erdenbahn,

Daß du zur Speise gibst dem Ungeheuer Die Schönheit, derentwillen Agrikan Halb Skythien hieß den Heereszug beginnen Nach Indien hin, den Tod nur zu gewinnen!

Der hohe Reiz, um den Fürst Sakripante Die Ehre hingab und sein schönes Reich, Die Schönheit, die dem Ritter von Anglante Den Ruhm getrübt hat und den Geist so reich,

Die Schönheit, die kopfüber die Levante Aufbäumen ließ und zähmte alsogleich, Hat niemand jetzt – so ändern sich die Dinge –, Der auch mit Worten nur ihr Hilfe bringe.

Das holde Kind, von tiefem Schlaf umfangen, Es wird gefesselt, eh sie noch bei Sinn. Der Bruder Hexenmeister, mitgefangen, Liegt bei der finstren Schar im Boote drin.

Die Segel, die am hohen Mastbaum hangen, Führen das Schiff zur Schreckensinsel hin: Die Königstochter bannen Kerkerwände, Bis zu dem Tag, da sich ihr Los vollende.

Das wilde Volk zum Mitleid zu erregen, Gelang nun freilich ihrer Schönheit Macht, Und viele Tage wurde ihretwegen Dem Tod ein sonstig Opfer dargebracht;

Solang noch Hilfe war auf andern Wegen, Ward dieser Engelsschönheit nicht gedacht. Zuletzt bringt man sie doch dem Tier als Beute, Und weinend hinterdrein gehn alle Leute.

Wer ist, der all das Schluchzen, Klagen künde? Das Jammern dringt zum Himmel schier hinein: Nicht staun' ich, öffnen sich die Felsengründe, Wie sie in Ketten steht auf kaltem Stein,

Daß alle Not den Schrecken sich verbünde, Um herbem, grausem Tode sie zu weihn. Ich sag' es nicht, bin, ganz von Schmerz durchdrungen, Ein andres Lied zu singen jetzt gezwungen

Und Klänge minder düster anzustimmen, Bis neue Kraft gewinnt mein müder Sinn; Es könnten schleim'ge Drachen nicht, die grimmen, Und nicht in höchster Wut die Tigerin

Und nicht, was in Ägypten schleicht an schlimmen Und gift'gen Tieren durch die Wüste hin, Sehn oder denken ohne Herzenswunden Angelika an nackten Fels gebunden.

O hätte dies ihr Roland doch erfahren, Der nur um sie war nach Paris gereist, Und jene, die getäuscht hat das Gebaren Des schlauen Alten mit dem Höllengeist!

Sie wären, ihr zu helfen in Gefahren, Herbeigeeilt durch tausend Tode dreist. Allein wenn sie auch wirklich Kunde hätten, Wie könnten sie von fern die Holde retten?

Paris inzwischen dem Belagrungsringe Von Trojans tapfrem Sohne widerstand, Und mißlich schienen eines Tags die Dinge: Beinah schon fiel die Stadt in Feindes Hand;

Da stieg zum Himmel des Gebetes Schwinge, Und dunkler Regen ward von Gott gesandt; Durch Mohrenwaffen sonst ein Ende nahmen Das heil'ge Reich und Frankreichs großer Namen.

Der höchste Schöpfer wendet Gnadenblicke Auf Karls, des alten, Klageruf hinab, Schickt Regen, der die Feuersbrunst ersticke, Wo keine Menschenmacht mehr Hilfe gab.

Heil, wer vertraut dem Lenker der Geschicke! Er ist in aller Not der beste Stab. Und dankbar gläubig König Karl erkannte, Daß Gott es sei, der ihm die Hilfe sandte.

Die Nacht hat Roland flüchtige Gedanken Dem läst'gen Pfühl vertraut in großer Zahl, Faßt sie zusammen jetzt, läßt dann sie schwanken, Hierhin und dorthin – ruhn kein einzig Mal:

Wie Zwitterlicht des Wassers wohl, des blanken, Vom Mond getroffen oder Sonnenstrahl, Das weite Dach entlang in raschem Lauf hüpft, Nach rechts und links und hoch und niedrig aufhüpft.

Zur Liebsten hat sein Geist den Weg gefunden (Von ihr geschieden war er noch gar nie): Die Glut erwacht aufs neu in nächt'gen Stunden, Der leisen Schlummer nur der Tag verlieh.

Er hatte als Genoß sich ihr verbunden, Fern in Katai – und hier verlor er sie Und konnte keine Spur mehr von ihr finden, Seit bei Bordeaux sich Karl ließ überwinden.

Das schmerzte Roland sehr; mit bittern Klagen Bereut' er jetzo seinen Unverstand: „Mein Herz, wie konnt' ich nur mich so betragen!“ Sprach er bei sich. „Obwohl bei mir es stand

– Denn deine Güte wollt' es nicht versagen –, Dich Tag und Nacht zu schauen unverwandt, Ließ ich in Naims' Hand dich, du Holde, legen, Statt gegen solches Unrecht mich zu regen.

War's nicht mein Recht, dagegen anzuringen? Karl hätt' am End den Wunsch mir nicht verwehrt – Und wenn verwehrt, wer könnte wohl mich zwingen? Wer mir entreißen, was mein Sinn begehrt?

Ließe das Herz man aus dem Leib mir springen, Mußt' ich nicht ihnen trotzen mit dem Schwert? Nicht hätten Karl und alle seine Leute Je mit Gewalt dich fortgeschleppt als Beute.

Ließ er sie wenigstens – behütet – leben, Sei's in Paris, sei's sonst in guter Wacht! Doch daß er jenem Naims sie hat gegeben, Zeigt mir, ich werde ganz um sie gebracht.

Der beste Wächter wär' ich selber eben: Drum, was geziemte bis zur Todesnacht? – Daß ich sie mehr als Herz und Augen schützte! Weh, daß ich nicht die rechte Zeit benützte!

Ach, ohne mich wo bist du, süßes Leben, Geblieben, du so jung und hold und schön? Dem Lämmchen gleich, das, wenn die Schatten weben, Verlassen irrt umher in wald'gen Höhn,

Das hofft, dem Hirten Kunde noch zu geben, Und hierhin, dorthin schickt sein Klaggetön, Bis angelockt zuletzt die Wölf' erscheinen Und nun umsonst der arme Hirt muß weinen.

Wo bist du, meine Hoffnung, hingeschwunden? Irrst du umher, weil ich dich ließ im Stich? Hat dich vielleicht der grimme Wolf gefunden? Wenn nicht dein Roland, ach, wer schützte dich?

Hat sein Gebiß die Blume dir entwunden? Die höbe zu den hohen Göttern mich! Doch dir zu trüben nicht dein keusch Gemüte, Bewahrt' ich unversehrt die hehre Blüte.

O weh mir! Weh! Verzweifelt muß ich enden, Nahm man der schönen Blume ihren Schein! Eh das geschieht, Allgüt'ger, wolle senden All andres Herzeleid und jede Pein!

Sonst taugt mir Tod nur von den eignen Händen, Und in Verdammnis muß die Seele sein.“ Weinend und seufzend aus dem tiefsten Herzen Sprach Roland so bei sich in bittren Schmerzen.

Gesunken war die süße Ruhe nieder Rings auf die müden Seelen allzumal, Löst hier auf Federn, dort auf Stein die Glieder, Dem unterm Baum, dem auf dem Gras im Tal.

Du aber, Roland, schlossest kaum die Lider, So sucht dich heim der Nachtgedanken Qual. Nicht einmal diesen kurzen, flücht'gen Schlummer Gönnt man dir ganz, um auszuruhn von Kummer!

Wo duft'ge Blumen – schien es Roland – stehen In Pracht verstreut auf grünem Uferrand, Gebild' aus Elfenbein glaubt er zu sehen Und Purpur, den gemalt hat Amors Hand;

Zwei Sterne hell – vor Wonne will vergehen Die Seele, die des Amor Netz umwand –: Die Züge mein' ich und die lichten Strahlen, Die mitten aus der Brust das Herz ihm stahlen.

Die höchste Wonne will ins Herz ihm schleichen, Die sich von Treuverliebtem fühlen läßt: Da plötzlich kommt ein Sturmwind ohnegleichen, Der Blumen knickt und Büsche zaust und preßt.

Nicht pflegt an diese Wucht fürwahr zu reichen, Was sonst noch weht von Nord und Ost und West. Ihm ist, er irre jetzt zum Schutz des Lebens Durch eine weite Wüste hin vergebens.

Mit einemmal verliert er seine Dame Im Nebelgrau – er weiß nicht, wie sich's trifft –, Ob, laut gerufen, auch der schöne Name Ringsum weckt Widerhall in Wald und Trift.

Und wie er „Weh mir!“ klagt in seinem Grame, „Wer wandelt meine Süßigkeit in Gift?“ – Ist ihm, als ob sein eigner Nam' ertöne Und ihn um Hilfe flehe seine Schöne.

Rasch in der Richtung, draus die Rufe hallen, Schafft er sich Bahn und sucht, von wo man spricht. O welche Schmerzen in der Brust ihm wallen: Er sieht nicht jener Augen süßes Licht!

Da hört er eine andre Stimme schallen: „Genießen sollst du sie auf Erden nicht!“ Bei diesem Schreckruf ist der Traum verflossen – Der Held wacht auf, von Tränen übergossen.

Er fragt nicht, ob vielleicht ein Trug ihn necke, Durch Sehnsucht oder Furcht hervorgebracht; Nur daß in Nöten seine Dame stecke, Nur dieser einz'gen Sorge hat er acht.

Blitzschnell von seinem Lager springt der Recke, Nimmt Waffen, ist auch auf ein Roß bedacht, Auf Güldenzaum, und steht bereit zur Reise; Der Knappen Dienst will er in keiner Weise.

Um nun beliebig Pfade einzuschlagen, Die seine Würde sonst vielleicht verbot, Galt es, sein ruhmvoll Wappen sich versagen, Bekannt mit seinen Farben Weiß und Rot,

Und lieber jetzt ein schwarzes Zeichen tragen, Vielleicht weil's ähnlich seiner Herzensnot. Er hatt' es einem Amostant genommen, Der einst durch seine Hand war umgekommen.

Um Mitternacht macht er sich auf in Schweigen, Grüßt nicht und gönnt dem Ohm kein Abschiedswort, Will nicht einmal sich Brandimarte zeigen, Der ihm so teuer doch, der Freundschaft Hort.

Doch als mit goldnem Haar die Sonne steigen Die Rosse läßt vom Haus des Titon fort, Und feuchte Schatten fliehen vor der Helle, Merkt Karl, der Paladin ist nicht zur Stelle.

Er hört mit tiefem Groll, es ist verschwunden Sein Neffe ganz verstohlen in der Nacht, Der ihm zu helfen, traun, doch war gebunden: O, wie dem schweren Grimme Luft er macht!

Manch bittres Wort zeigt seiner Seele Wunden, Des Frevlers wird mit hellem Zorn gedacht. Es dröhnt: „Kehrt nicht zurück der Ungetreue, So wird man sorgen, daß es ihn gereue.“

Auch Brandimart beschließt davonzueilen, Der Roland ja sein ganzes Herz geweiht: Will er das Schicksal seines Freundes teilen? War ihm das Tadeln und das Schelten leid?

Man sah ihn grad so lange noch verweilen, Bis sich der Tag geneigt zur Dunkelheit. Und Flordelis verschwieg er ganz die Sache, Daß sie dem Plan nicht Schwierigkeiten mache.

So hieß ein Fräulein, dem getreu zu dienen Ihm Wonne war, kaum ließ er sie allein – Voll Anmut, Sitte und von holden Mienen, Mit hellem Geist begabt und klug und fein;

Und war er jetzt nicht auch vor ihr erschienen, Geschah's, weil er zurück noch wollte sein Am selben Tag; doch sollten Dinge walten, Ihn länger, als er dachte, aufzuhalten.

So war ein Monat etwa hingegangen, Sie saß noch immer seiner harrend dort, Da wurde Sehnsucht mächtig und Verlangen: Ohn' einen Führer zog die Dame fort

Und suchte den geliebten Mann voll Bangen, Wie die Geschichte zeigt am rechten Ort. Von diesen beiden sag' ich hier nichts weiter: Mehr kümmert jetzt mich von Anglant der Streiter.

Der hat ein neues Wappen sich erkoren, Statt Almonts Schild, und sich zum Tor gewandt: „Ich bin der Graf“, so raunt er in die Ohren Dem Hauptmann leise, der dort Wache stand.

Man ließ die Brücke nieder vor den Toren, Und auf dem Weg, den er als nächsten fand Dem Feind zu, in gerader Linie ritt er. Der nächste Sang sagt Weitres von dem Ritter.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Achter Gesang · Ludovico Ariosto · Poetry Cove