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1864–1913

Weihestunde

Wilhelm (Hg.) Arent

O Weihestunde! O köstliche Stunde! Sanft küßt die Nacht, Die vielholde Trösterin,

Die tagmüde Erde. Und mählich verhallen Im ewigen Schweigen Die Stimmen des Lebens ...

Immer lichter umwebt Die erstorbenen Auen, Des Mondes fluthender Silberschleier.

Mild grüßen hernieder Die ewigen Sterne – Lautlos wogt Der wortlose Zauber

Unendlicher Ruhe. Nur manchmal Flüstert's und raunt's Im üppigen Laube;

Wie in Geisterumarmung Erschauern jählings Die Bäume und Sträucher, Als wollten sie künden

Die ewigen Räthsel, Die da walten von Urbeginn In Höhen und Tiefen ... Wie Erlösung umspinnt

Die qualdüst'ren Sinne Süßes Märchenvergessen. Eingewiegt von der Sphären Leisrauschenden Hymnen,

Umspielt vom Traumodem Der wonnesam schlummernden Allmutter Natur Trink' auch ich

Unaussprechlicher Inbrunst voll Gottseligen Frieden, Glück ohne Ende ... In der Mainacht Duftthau.

Im ewigen Hauche Ersterben des Leibes Fiebernde Pulse. Mit Sternen und Welten

Wall' ich entgegen Dem dämmernden Morgen.

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