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1864–1913

Riesenprügelei

Wilhelm (Hg.) Arent

Er stand vor einer Schmiede tief im Walde Und schaute durch die ruß'ge Fensterhöhle, Wo drinnen riesige Gestalten regsam Mit langen Haken schürten wilde Gluthen,

Wo fauchend in die Flamme fuhr der Sturmwind, Der aus dem Blasebalg gewaltig schnob, Wo glühend Eisen schleppend trug ein Riese Und auf den Ambos legte und der Andre

Den wucht'gen Hammer in die Höhe schwang Und seine Sehnen kraftvoll dehnend reckte Und klingend, schmetternd auf das sprühende Eisen Den Hammer warf, indeß der Flamme Glühen

Des Mannes Antlitz purpurroth umschien. Da staunt er ob der kräftigen Gesellen Und mächtig faßte ihn der Anblick an, Der riesenhafte und vulkanisch-schöne.

Da trat ein schwarzer Kerl her aus der Schmiede Zu ihm, der fuhr ihn höhnisch lachend an: „Was gaffst du hier, du Milchgesicht, gewaschnes?! Kannst du den Hammer schwingen? Was? Und nieder

Den Ambos schmettern, daß der Boden raucht? Heb dich hinweg, sonst haucht der Blasebalg Dich wie ein Stückchen Wolle aus dem Wege!“ Und sprach's und packte zu und warf ihn nieder

Und prügelt ihn nach Leibeskräften durch. Es traten die Gesellen in das Thor hin Und lachten vor Vergnügen, daß die Sterne Vom Dröhnen der Erschütt'rung zitternd bebten

Und fast vor Schreck herabgefallen wären. Sternschnuppen fielen wie die Prügel nieder, Der Mond verzog sein breites Angesicht Und lachte, daß die heitren Thränen nieder

In weißem Schimmer auf die Bäume flossen Und in den Teich in hellen Tropfen fielen. Es lächelte der Teich sogar in Wellen Und sah den Mond verständnißinnig an

Und schluckte vor Vergnügen all' die Thränen, Die von dem Mond in weißen Lichtern fielen. Und Alles lachte auf der weiten Erde, Bis die Gesellen prügelsatt ihn ließen;

Sie schritten wieder in die heiße Schmiede Und schürten lachend neue Gluthen auf. Er lag am Boden, blickte auf zum Himmel Und fühlte selber schmerzliches Vergnügen

Und rief die Sterne und die Monde an: „Ihr kleinen Sterne, o du breiter Mond, Ihr großen Götter, o du weiter Himmel, Seht mich Zerschlag'nen an! Und ahnt ihr Guten,

Was der Humor von der Geschichte ist? Bewund're die Natur in ihrer Größe, In ihrer Allmacht und erhab'nen Schönheit, Sie frißt dich doch zuletzt und drückt dich todt.

Wer ist der Stärk're nun, ihr Schandgesellen? Seid ihr's? Bin ich's, der euren Prügel spürt Und 'was Gescheidtes noch dazu sich denkt? Wer macht den bess'ren Witz? Ich oder ihr?!“

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