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1864–1913

Osterbitte

Wilhelm (Hg.) Arent

Vom Thurme klangen die Osterglocken Ueber des Kirchhofs trauernde Gruft, Und gleich verwehten Blüthenflocken Verschwamm ihr Klang in der Morgenlust.

Mich aber riefen sie in die Weite Und ließen mich nicht im dumpfen Haus, Und unter der Osterlieder Geleite Zog ich die Straßen zum Thore hinaus.

Weit hinter mir im Morgendämmer Sich das Gemäuer der Stadt verlor, Und selbst das Pochen der Eisenhämmer Traf nur gedämpft noch an mein Ohr.

Doch dehnte sich immer weiter und weiter Vor meinen Blicken der sonnige Gau, Und jauchzend auf tönender Himmelsleiter Schwang sich die Lerche ins Aetherblau.

Da stand ich denn nun am Waldesrande Mit meinen Gedanken so ganz allein Und sah tief unter mir die Lande Liegen im flimmernden Sonnenschein.

Und als dann den letzten Zweifel zu rauben, Ein Schäfer noch blies auf seiner Schalmei, Da wollte ich es selbst nicht glauben, Daß Tod die Lösung des Räthsels sei.

Da schien mir alles verweht und vergangen, Was ich betrauerte winterlang; Und alle Saiten des Herzens klangen Zusammen im Auferstehungsgesang.

O, solche Seelenklänge dringen Weit höher noch in die Himmel empor, Als je auf seinen Flatterschwingen Ein Vogel sich in der Luft verlor!

Ja, Fest der Ostern, nun warst du gezogen Auch endlich in diese verödete Brust; Und dies Herz, das so oft schon das Leben betrogen, Erzitterte wieder von süßer Lust

Und schlägt nun der hohen Feier entgegen, Die über die Erde zu gießen verheißt Den herlichsten aller himmlischen Segen, Den welterlösenden, heiligen Geist.

Der heilige Geist ist die ewige Liebe, Die Gott in die Herzen der Menschen gesenkt, Und die mit jedem Ostertriebe Von neuem sich zum Lichte drängt.

Sie schwebt herab vom Himmelssaale Zu Jedem, der an sie noch glaubt – O neige, neige die goldene Schaale Auch hier auf dieses Beterhaupt!

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