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1864–1913

Menschenopfer

Wilhelm (Hg.) Arent

Man sagt, die Jugend selbst sei Glück. Ich hab' es nicht erfahren. Mir waren niemals hold gesinnt Die dachnistenden Laren.

Mir fehlte, was die Jugend braucht, Des Frohsinns Wohlbehagen; Des Kummers bleiche Wange schon Als Kind ich mußte tragen.

Die Rebe, die kein Stäblein hat, Muß bald zu Grunde gehen; Ich war die Rebe, ward zerwühlt In wilden Sturmes Wehen.

Nach dir, nach dir, mein Jesu Christ, Ich jugendlich mich sehnte; Das grause Schicksal mich und dich Frevelnd und frech verhöhnte.

Der Pöbelhaß, der Pöbelwahn Hat dich an's Kreuz geschlagen; Das Schicksal thut das Gleiche noch Mit uns an allen Tagen.

Das alte blut'ge Opfer du Unblutig hast erneuert: Das Schicksal opfert blutig fort – Kein Gott, kein Gott ihm steuert!

Es schichtet Stein an Stein empor Mit riesenkräft'gen Armen; Ich lieg, ein Mensch, auf dem Altar – Es gibt, gibt kein Erbarmen.

Es rieselt heiß mein Blut herab Vom kalten Opfersteine, Bis daß der letzte Tropfen stockt Im frierenden Gebeine.

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