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1864–1913

Memnons Lied

Wilhelm (Hg.) Arent

Morgenstunde – noch ist Frieden Rings im Thal der Pyramiden, Feurig durch des Ostens Thor, Flammen malen ihre Strahlen

An den Riesengräbermalen, Steigt das Morgenroth empor. Und nun setzt es seinem Sohne Memnon eine güld'ne Krone

Auf das Fürstenhaupt von Stein: Durch des Göttersohnes Glieder Geht ein Zittern, Klagelieder Schallen schwermuthreich landein.

Mutter, tönt es von den kalten Lippen des Jahrtausendalten, Ist er noch nicht da der Gott, Der der Dunkelmänner Kronen

Bricht und Schächer stürzt von Thronen Und die Großen macht zum Spott? Naht noch nicht der Wahrheitsender, Kommt noch nicht der Segenspender

Ormuzd auf der Lichtes Bahn, Daß er in des Orkus Klüfte, In des Weltalls fernste Grüfte Bannt den Todfeind Ahriman! –

Höher steigt der Sonne Wagen, Und in Weinen, leises Klagen Endet Memnons Morgenlied; Und so wird es weiter tönen

Bis herauf am gold'nen schönen Weltenmorgen Ormuzd zieht. Lange lag die Welt im Wahne, Keiner hielt empor die Fahne

Jenes Lichtgotts; nur allein Meldete des Lichts Gefunkel In der Weltnacht tiefem Dunkel Memnons kalter Mund von Stein.

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Memnons Lied · Wilhelm (Hg.) Arent · Poetry Cove