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1864–1913

Felsenmeer

Wilhelm (Hg.) Arent

Felsen reiht sich an Felsen, Und dem Auge des Menschen Erscheint es, als seien es Mächt'ge erstarrte Wellen,

Als hätte des allmächtigen Bildners Wuchtige Hand Ein wogendes, brausendes, Schäumendes Meer

In Stein gehauen. Und in dem Volke schreitet die Sage, Daß hier dereinst eine See gebrandet, Eine durch Zauberers Spruch

Erstarrte, in Stein verwandelte Wilde, brausende See ... Ach! wo einst das rastlose Leben Der Fluthen gebraust und gebrandet

Wo sie in neckendem, fröhlichem Spiel Sich überstürzten Oder voll titanischer Wuth Schäumten und rangen

Mit dem Gestade in grausem Kriege, Geführt durch den Sturmgott – Dehnet sich heute ein steinernes, Graues, lebloses Abbild.

Träumend steh' ich, sinne und grüble, Und wie ich sinne, dünkt mich, ich höre Den alten Mahnruf Der Zeit, der Hünin,

Die ewig geht und dennoch bleibt, Daß Alles vergänglich Und Alles eitel. Ja! auch an uns

Und unser Fühlen Und unsere Thaten Mahnt nach einer winzigen Zahl Winziger Jahre

Nur solch ein starres Farbloses Abbild; Und kalt und lieblos Schreitet ein neues Geschlecht

Ob unserm Grabe, Das nichts mehr weiß Von unserm Ringen Und unsern Qualen.

Nur ein Gewaltiger noch, Vielleicht ein Fürst oder Weiser, Ragt aus dem Schutte Vergangener Zeiten.

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