Skip to content
1864–1913

Auf der Piazza Michelangelo

Wilhelm (Hg.) Arent

Es ist ein Läuten und Weinen Der Abendstunde im Thale, Florenz, von deinen Glocken. Gluthvoll sah ich verscheinen

An Wolken die Purpurmale Der Sonne. Tieferschrocken Vereinsamt schweigt die Seele. Was will dies Läuten und Locken?

Was will dies träumende Rufen In Sehnsuchtsmelodieen? Ich seh mich heimwärts ziehen Hinan, wie auf geweihter Tempel Stufen!

Und stünd' in dunklem Drange Ich suchend auf der Höhe Des Appenins in Wolken stumm und bange! Verschwände nun versinkend

Dort hinter deinem Scheitel Im Mondlicht milde blinkend! Verschollen wär' dies Läuten, Melodisch aller Töne fernes Singen –

Tonlos durch Wolken ringen Müßt' ich bei dir zu sein. Wer kann den Pfad mir deuten? Ich seh mich weiter schreiten

Auf Bergeshöh'n erscheinen Und wieder nieder wandern, In stummen Seligkeiten Mit dir mich zu vereinen

Und niemals wieder einsam dich zu lassen. Im Wiedersehn, Umfassen – Was will mein Herz mir stocken? Verstummt sind deine Glocken

Florenz, im dunklen Thale – Und ach, wie jäh erschrocken Bin ganz vereinsamt ich zum andren Male! –

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Auf der Piazza Michelangelo · Wilhelm (Hg.) Arent · Poetry Cove