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1864–1913

An die oberen Zehntausend

Wilhelm (Hg.) Arent

O kehrtet einmal Ihr aus den Palästen Im dunstigen Dunkel enger Gassen ein! O kehrtet einmal Ihr von Euren Festen In's vierte Stockwerk, wo beim Oellichtschein

Blutarme Nähterinnen um den Bissen Des lieben Brods zehn Stunden nähen müssen! Kröcht' einmal Ihr mit Eurem Schmuck behangen Zur Kellerwohnung, wo der Schuster flickt,

Sein armes Weib mit hungerbleichen Wangen Den Säugling an die welken Brüste drückt, Von Einer Mark oft sieben Menschen leben, Die doch dem Kaiser noch den Groschen geben!

Es würd' Euch grausen, und in Eure Stirnen Käm' flammengleich das Krösusblut gerollt, Und durch den Puder Eurer feilen Dirnen Bräch' sich die Schamgluth um das Sündengold,

Und wie, wenn Eise sich mit Feuern mischen, Würd' Euch das Herz in frost'gen Schaudern zischen. Ihr müßtet zittern, dächtet Ihr im Düster Des Vorstadtelends an der Schlösser Pracht,

An Baldachin und Purpurbett und Lüster, An Wein und Sillery und Wonnenacht Und tausendfach müßt' Euch von allen Mauern Vernichtung flammengrell entgegenschauern ...

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