Skip to content
1864–1913

1.

Wilhelm (Hg.) Arent

Wie der Hirsch nach Wasser, lechzet Meine Seele, Gott, zu dir – Sie verschmachtet und sie ächzet – Thränen nur sind Labung mir.

Galle bietet man allein Dem Verschmachtenden als Wein. Ueber der Gerechten Weinen Triumphirt der Thoren Spott,

Denn in ihren Herzen meinen Alle sie: „Es ist kein Gott!“ Und sie höhnen meine Noth: „Wo ist nun dein Zebaoth?“

Siehst du Ihn herniederfahren Von dem Sonnenzelte stracks Mit bewehrten Seraphschaaren? Berge schmelzen ein wie Wachs

Vor dem Glanz von seinem Zelt, Das verdunkelt rings die Welt. Hagel sprüht sein Wolkenwagen, Welchen Herolds-Cherubim

Auf des Windes Fittich tragen. Sturm-Posaune her vor ihm Bläst und mit dem Blasen trennt Jeden Dunst am Firmament.

Wer in seinem Schirme sitzet, In der Allmacht Schatten lebt, Ist geborgen, wenn es blitzet, Wo der Ungerechte bebt.

Wie ein Oelbaum in Gewittern Grünt er, doch die Bösen zittern.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
1. · Wilhelm (Hg.) Arent · Poetry Cove