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1574

Niederrheinische Liederhandschrift von 1574

Anoniem

[So wunsch ich ir ein gůete nacht]

1. So wunsch ich ir ein gůete nacht, Zů hůndert thaůsendt stůndenn Einn freůndtlich wort sey zů mir sprach, Wir zwey wir můessenn scheidenn, vnndt scheiden nicht weit, Got weis es die zeit Wederkommen bringt vns freůde.

2. Am letzten doe ich bei ir war, Bey ir wair ich alleine, Ein freůntlich wort sey zů mir sprach, Der liebe Got wol dich behůeten, Mit schimpfen vnnd scherzenn, och scheiden brengt schmertzen, des bin ich wortenn innen.

3. Das frewelein aůf der zinnenn lagh, Gar kleglich hůb an zů weinenn, Darahnn gedenckt jhr medtlein Jůngk, vnnd laest mich nit alleine, Kehr wederůmb balt, mein trawren erhalt, laes mich aůs schwaren trewmen.

4. Der iůnglein vf der heidenn reidt, Er warf sein rosselein herůmme Derahn gedenck dů Jůngkfraw schoenn, vnnd kehr dein redt nicht vmme, Gib got das glůck Es geit selten zůrůck, Ade meines hertzen ein Kroene.

5. Der vns dies new liedt ihrst gesangk, Gar woll hat er es gesůngen Einn Stůdent ist ers genanndt, von der liebsten ist er geschwůngenn, Er můest nit langer bey der liebster sein, brengt seinem hertzenn trawren.

Dich will Jch lieben so langk ich leben, Vnd soldt ich darůmb leiden, vnd zeitlich sterben.

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