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1574

Niederrheinische Liederhandschrift von 1574

Anoniem

[Es hat ein Stůdent ein medtlein lieff]

1. Es hat ein Stůdent ein medtlein lieff, er hat es zehnn mal lieber, dan seinen eigen leib Er beschiedt es vf ein ort des groenen waldts ein Endt.

2. Darhin so thed er reidenn, mit seinem roeden můnt mit seinem gůlden spoeren, mein Feinsslieb hab ich verlohrenn.

3. Do er an das ende da er die Jůngfraw hat bescheidenn Got grůes eůch in dem Gardenn, vnnd plůckt ir ab die Roeselein, blaeder, oder wardet ir vf desen roesenn gardenn?

4. Jch plůcken nicht ab die roesen blader Jch wardt nicht vf diesen Roesen gartenn, Jn desem Roesenn gartenn wil ich meines liebgens wartenn.

5. Was wilt ir im entbiedenn Was wilt ir ihm nhů schreibenn Zů hoeff so můes ich reitenn, Jch sagh in nechten abendt, Gahen vůr groener awenn Spacieren mit andern Jůngkfrawenn.

6. Jch weiß im nit zů binden Jch weis im nit zů schreiben, Der liebe Gott wol sein verwahrer seinn Dem liebsten magh ich nit gram sein.

7. Sei zoech heraůß ein schleuwer Ein schleůwer war weiss gewaeschenn, Den wilt meinem boelen schenckenn, Das er meiner wolt gedencken.

8. Er thed ab seinenn Eiserenn hoedt Er empfingk die Jůngkfrawe die schoene, Jr seidt die schoenste boůen allen, mit schoenen Jůngfrawen ist mir mein hertz vmbfangen.

9. So wil ich senckenn meinen můedt Recht wie die Tůertelldaůbe thůedt Die ihr geiagt verlieset Noch nimmer einen ander kiesett.

10. Sei sitzet aůf einem thůerrenn aest Sey růrt sich weder loůb noch groenes graes, Sey singt sich oůch geinen sangk so sůes.

11. Sei singet aůch keinen sangk so sůes Sey drinck sich aůch keinen dranck so klaer Sey drůefft in mit ihren foessenn, reich Gott wie ist die liebe so sůes.

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