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1568

Berliner Liederhandschrift vom Jahre 1568

Anoniem

[6] Ein annder Jm thon Wach aůff mein hortt

Jn drůck vnnd schmertz, mein Junges hertz, wirtt nhu ohn schuldtt geqůeltt, das thůitt allein, die trewe mein, so vast aůff dich gestellet, Jn rechter liebt, vnnd anders nitt, hab ich dich hertzlieb erwelett.

Dein ehr vnnd zůchtt, gar woll versůchtt, darzů dein freůndtlichs wesenn, hantt mich verstricktt Jm aůgenblick, das ich nitt mochtt genesenn, Dů hets dann dich, zů mir verplichtt, vnnd ganntz jn lieb ergebenn,

Ob sei nů wirdtt, důrch kleffers gefertt arßlig vonn mir sich kerenn, Vnnd sich ergeb jn frembde lieb, es kůndtt jr nemantz werenn, es ist mein schůldtt, ich drag gedůldtt, vnnd drag heimlich groß leidenn.

Der trawe mein, mogt keinenn schein, bei dir hertzlieb erhaltenn, vnnd was ich saght, wardtt als verdacht, die liebde woltt sich spaltenn, Das důrch argwonn, liebde soltt zergan, es bethrůbt mich von hertzen.

Jch klag vnnd rew, mein liebt soll gantz vnd gar verloren sein, vnnd gleub das schonn mein glůck mein haab sthen vergessenn kann mir kein trost ermessenn, Dan das die alte seitt, ein saw achtt kein můscatt nitt.

Eß thůtt mir antt, das vnerkantt soll werdenn mein getrewer will, denn ich jn still, vor andern dir erzeige, keiner sich mehe so eigenn ergebenn hatt, mitt sulchem fleiß es wirdtt kein rap von baden weis.

Vnd ob ich wehr vil falscher mehr, vnnd vngetrewer als Judas was, so mein ich das es mogtt nitt vbeler werdenn, gelontt aůff dieser erdenn, Jch hoff der zeitt folg schier hernach, vntrew threibtt seinem hernn nach.

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