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1794

An den Abendstern

Charlotte von Ahlefeld

Du blickst so lächelnd auf mich nieder, Du heller, lieber Abendstern, Als hörtest Du die leisen Lieder Der ahnungsvollen Schwermuth gern.

Wenn alles schläft, erweckt die Feier Der stillen Nacht wie Melodie Der Sehnsucht Klage, und ihr Schleier Verräth die heissen Thränen nie.

Dann strahlst Du, holder Himmelsfunken, Mir Trost in's kranke Herz herab, Und es ersteht mir, wonnetrunken, Die Hoffnung aus der Zeiten Grab.

Oft schon, wenn ich mit heissem Sehnen Begrüsste meiner Liebe Bild, Da lachtest Du in meine Thränen Und machtest meinen Kummer mild.

Oft, wenn ich mich des Lebens freute, Da folgte mir im dunklen Hain, Von Deines Himmels blauer Weite, Wie Freundesblick, Dein Silberschein.

Und es bewegte ernst und leise Mit wunderbarer Ahnung mich, Wenn in dem ewig festen Gleise Dein reiner Schimmer still erblich.

Du schienest dann mir zuzuwinken: „Leb' wohl, bis wir uns wiedersehn! Jetzt muss mein letztes, mattes Blinken Im Morgendufte untergehn!“

Noch weilt mein Auge mit Vertrauen Auf Deinem hohen, fernen Licht; O möchtest Du doch ahnend schauen, Was seine stumme Bitte spricht.

Wenn Er – Du weisst ja, wen ich meine – Sein Auge still zu Dir erhebt, So grüss' ihn mit dem schönsten Scheine, Dass freudiger sein Herz erbebt.

Und strahl' ihm süssen, reinen Frieden; Ach nimm den meinigen dazu! Und ist ihm einst ein Schmerz beschieden, So glänz' ihm Hoffnung, Muth und Ruh.

Und stets, Du freundlichster der Sterne, Erheitre ihn mit Deinem Licht, Und sag' ihm leis': auch in der Ferne Vergisst Dich Deine Freundin nicht!

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