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1646–1699

Zeit und Ewigkeit.

Hans Aßmann von Abschatz

Zur Stunde düstrer Mitternacht Wenn alles schläfft mein Auge wacht Erweg’ ich wie die Zeit wegeilt Die unser kurtzes Leben theilt.

Ein Tag ist lang wenn Schmertz und Noth Wird unser hartes Wochen-Brod: Wie schwer die Angst und Arbeit sey Geht Woch und Tag doch bald fürbey.

In Monat theilet sich das Jahr Doch wird man unverhofft gewahr Wie dieser kömmt und jener weicht Biß Jahr und Leben mit verstreicht.

Trau Seele keiner Stunde nicht! Du weist nicht wenn das Leben bricht Und nimmst doch durch die kurtze Zeit Den Weg zur langen Ewigkeit.

Ein Tag hat sein geseztes Ziel Das ihm die Sonne gönnen will Wer aber mißt den langen Tag Der keinen Abend finden mag?

Wir schreiben nach des Monden Lauff Die Zahl der Jahres-Wochen auff; Wer ist der uns zu rechnen weiß Der Woch ohn Ende rundten Kreiß?

Jedwe der Monat hat den Schluß Damit er sich verlieren muß: Der Monat der nicht wechseln kan Fängt immerdar von neuem an.

Kein Jahr taurt über seine Frist Wenn sich der zwölffte Monden schlüst Wenn aber kömmt das Jahr zum Schluß Das alle Jahre schlüssen muß?

Es ist der Erden Weite kund Man find des Meeres tieffen Grund Wer weiß diß zu beschreiben rath Was weder Ziel noch Anfang hat.

In tieffster Berge finstrer Schoß Giebt sich Crystall und Silber bloß: Vernunfft forscht nicht mit Fürwitz aus Der Ewigkeit verborgnes Hauß.

Trau Seele dieser Närrin nicht Wenn sie dir hier viel Zeit verspricht Der Weg ist kurtz durch diese Zeit Und führt zur langen Ewigkeit.

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Zeit und Ewigkeit. · Hans Aßmann von Abschatz · Poetry Cove