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1646–1699

Vermischte Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Ade! o werthes Land du Anfang meiner Reisen! Ade von Wasser Wein und Nimphen reiche Stadt. Wo so manch gutter Freund mit mir gelebet hat Und ihren hohen Thurm die edlen Bürger preisen.

Kan ich dir nicht den Leib auff längre Jahre schencken So stirbet doch in mir niemahls dein Angedencken. Ade o Vater Rhein ich grüsse deinen Rücken Der mich gelücklich trug nach seinem Niederland

In mir getreuer Flutt. Ich ehre deinen Strand Den so viel schöne Städt und Schlösser übersticken. Es müsse keine Kröt an deinem Ufer wohnen Die Waffen deinen Strom und freyen Schilff verschonen!

Ade o Land dem Wind und Wellen müssen dienen Dem Indien gräbt Gold Molucca Pfeffer trägt Und Moscau seine Frucht in Wasser-schauren legt Das sich mit Königen zu kriegen darff erkühnen:

Du Zaum der frechen See die dein Gestade netzet Der dein Be Ade o Land berühmt von Ubung gutter Sitten! Ade zu-grosse Stadt zu-kleines Land Pariß

Das ich nicht unbereut so zeitlich hinterließ! Ade o Reich das izt so vielen wil gebitten Wo sich mit Dienstbarkeit der Freyheit Schein vermählet Wo stete Neuigkeit hat ihren Sitz erwählet!

Ade o schönes Land du Paradiß der Erden! Ade o Fluß dem vor gehorsam war die See! Du weyland andre Welt der Erden Haubt Ade! Ade o reiche Stadt der Wellen Wälle werden

Zum Graben dient das Meer! Und du der Städte Preiß Die von Vesevus Glutt so viel zu sagen weiß. Ade o Berg und Thal! Ade o Püsch und Wälder Durch welche mich die Lust zu reisen hat geführt!

Weil mein gesezter Lauff nunmehr sein Ziel berührt Muß mein gezwungner Leib gesegnen fremde Felder Und eilen den Befehl der Sternen zu vollbringen: Jedoch den freyen Sinn soll kein Vergessen zwingen.

Ade o werthe Schaar o Auszug meiner Lieben Die treue Redligkeit mit Freundschafft mir verband! Ich trenne mich von dir: nimm hin zum Unterpfand Ein Hertze das sich dir zur Dienstbarkeit verschrieben.

Dich Filidor mein Kind will ich mit GOtt noch schauen Weil nicht allhier doch in den Elyseer Auen. Ich gehe nun dahin die Freyheit zu begeben In einen Winckel mich der Welt zu sperren ein

Ein Mönch und wilder Mensch bey wilder Welt zu seyn Der Sorgen schweres Joch auff meinen Hals zu heben Der kurtzen Reisen Lauff in wenig deutsche Meilen Die Zeit in Ritterspiel der Bauren zu vertheilen.

Mein Wechselbrieff ist dar der karge Wochen-Zedel Mein Königreich ein Dorff der Zepter Kerb und Stab Darauff geschnitten steht was mir die Erndte gab Mein Thron ein Rasen-Fleck mein stoltzer Fliegen-Wedel

Der Alten gelbe Schweiff; mein Schweiß bekrönt die Stirne Dian und Fillis ist die starcke Scholtzen-Dirne. Nein Hofe-Rath der Vogt mein Ambra Mist und Thünger Nein Nectar Hopffen-Safft ein Apffel mein Confect

Die Music Hund und Hahn so mich vom Schlaffe weckt Der Hunger Würtz und Koch Vorschneider Zahn und Finger Nein Zeit-Vertreib daß ich der Wirthschafft Kummer führe Bey einem groben Volck Verstand und Witz verliere.

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