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1646–1699

Vermischte Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Ich bin das reine Glaß das noch kein Staub befleckt Die Lilje welche noch die Bienen nicht besessen Die Rose deren Blatt kein Käfer noch durchfressen Das Muschel-Kind das noch der Mutter Schale deckt

Das Ziel auff welches noch kein fremder Pfeil gezweckt Der süsse Freuden-Brunn den noch kein Bley gemessen Die Nuß aus der man kan das Lebens-Oele pressen. Die Schnecke welche noch die Hörner nie gestreckt

Die Tochter keuscher Scham der Unschuld liebstes Kind Die Aepffel-Blütte die nun fertig auff zuspringen Das Müntzhauß drinnen man Vergnügungs-Schätze find Die Festung welche durch ein einig Thor zu zwingen

Der Liebe Feuer-Zeug die Artzney deren Krafft Auch Todte lebend macht die edle Jungfranschafft. Wie geht mirs aber nun? man flöst mir Nectar ein Cupido will bey mir den Jungfern-Honig finden

Der Liebe Brand muß mir die Röthe mehr entzünden Die Perle kan auch in der See nicht sicher seyn Ein Bogen scharff besähnt zielt auff mein Helffenbein Was ich verborgen hielt will Fürwitz doch ergründen

Die Liebes-Presse sucht aus mir den Safft zu winden Mein Wohnhauß wird bestürmt und wär es noch so klein. Die Mutter läst ihr Kind und weichet selbst darvon Die Knospe platzet auff der Schatz wird mir gestohlen

Aus meiner Brustwehr wird des Uberwinders Thron Der Venus-Zunder fängt und brennet endlich Kohlen Den Arzt ertödtet selbst die fremd-erweckte Krafft Und endlich stirbt dahin die edle Jungfrauschafft:

So hab ich viel Gefahr von aussen und von innen Und sehe wie der Tod schon auff der Zunge sizt Die Poltzen welche man mich zu verletzen spizt Die List durch welche man mich trachtet zu gewinnen

Die stets genährte Glutt der angefeurten Sinnen Die Thränen welche man bey meinem Grabe schwizt Die Vortheil welche man mich zu verletzen nüzt. Sind Feinde die ja leicht mich Schwache fälleu künnen.

Ich muß doch will ich nicht gantz ungerochen sterben Den Sieger soll sein Schweiß nebst meinem Blutte färben Wird mir der Ring entführt die Lantze biegt vom Streit Man muß mir diesen Ruhm der Großmutt hinterlassen

Ist gleich mein Helden-Tod nicht ohn Empfindligkeit Ich will doch meinen Feind und Mörder nimmer hassen. Nun Nimphe finde dich nur willig zu der Bahre. Ich dancke was ich kan der treu-gepflognen Hutt:

Gib ohne weigern hin mein unbeständigs Gutt. Der grünen Jugend Preiß verfällt bey grauem Haare Wer über rechte Zeit verhalten will die Wahre Wird innen daß er ihm den meisten Schaden thut.

Ihr Schwestern folget nach mit kühnem Helden-Mutt Was schadets daß man noch was unbekannt erfahre? Seht wie beherzt ich geh auff dieser heissen Bahn: Julinde gutte Nacht ich kan nicht länger bleiben

Der süsse Tod klopfft schon bey meinen Lippen an: Im Fall ich nicht bey dir zu lange Zeit gehafft So laß mir auff mein Grab mit steiffem Griffel schreiben ier liegt was mühens werth Julindens Jungfrauschafft.

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