Skip to content
1646–1699

Vermischte Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Des Monden halb-erstorbnes Licht Weist sein erblaßtes Angesicht Durch trüber Wolcken finstre Decken. Der Schatten tunckel-brauner Nacht

Der Aug und Ohren irrend macht Umgiebt den Erdenkreiß mit Schrecken. Du liegst mein Freund in sanffter Ruh Schleust die verliebten Augen zu

Kanst was du wilt im Traum umfassen. Ich muß zu ungewohnter Zeit An Leib und Geist voll Müdigkeit Das kaum erwarmte Lager lassen.

Ich muß durch alles Ungemach Das Wind und Winter ziehen nach In unbekandter Gegend reisen Wohin mich durch ein schlimmes Land

Des Welt-Beschreibers kühne Hand Und theur-gekauffte Führer weisen. Ich ändre täglich Kost und Heerd Vertausche Wohnung Bett und Pferd

Nichts und doch alles ist mein eigen Nichts ruhet an mir als der Mund Dem offt den gantzen Tag vergunt In stiller Einsamkeit zu schweigen.

Wo gehn wir izt mit gleichem Sinn In zwey ungleiche Strassen hin Die ich und du so offt gemessen? Wo können wir izt unsrer Pein

Und Lust geheime Zeugen seyn Zusammen schlaffen trincken essen? Wer sieht uns wenn der Tag entsteht Und Phöbus gegen Westen geht

Um Leydens schöne Stadt spatzieren? Wer sieht uns in Vertrauligkeit Auff nahen Gräntzen steten Streit Und süssen Krieg zusammen führen?

Ach Hertze könnt ich bey dir seyn! Doch weil der Himmel nicht stimmt ein Mit meinem Wünschen und Verlangen So lebe wohl-beglückt mein Kind

Biß mir die Vater-Erde günnt Dich mit Vergnügen zu umfangen. Indessen soll die Ewigkeit In das Register grauer Zeit

Und an des Himmels Wände schreiben Daß dir und deiner Brüderschafft Biß ihn der blasse Tod wegrafft Dein Damon treu und hold wird bleiben.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Vermischte Gedichte. · Hans Aßmann von Abschatz · Poetry Cove