Man findet wenig Pracht in alten Adels Schilden
Der Ahnen tapffre Faust hat solche selbst gemahlt
Ein Denckmahl ihres Sinns den Erben einzubilden
Da izt die neue Welt mit vielem Schmucke prahlt.
Wo man den Vogel kan aus seinen Federn kennen
So mag man manchen wohl des Adels Mißbrutt nennen.
Der Alten Einfalt wieß die ungefälschten Sitten
Mit schlechten Farben aus: das unbefleckte Weiß
Die rothe Tapfferkeit die manchen Sieg erstritten
Das treu-beständge Schwartz behielt damahls den Preiß.
Izt muß offt alles voll und bund gemahlet stecken
Der äusserliche Pracht den innern Mangel decken.
Wenn izt ein Alter solt in seine Hörner blasen
Damit er seinen Feind zu schrecken war gerüst
Und manchen edlen Held auff Blut-gefärbten Rasen
Zum Streite fodern aus zu weisen was er ist
Wie würde Schild und Helm offt auff die Seite fliegen
Der neu-erworbne Stand und Schmuck im Kothe liegen.
Doch muß der Ahnen Rauch nicht so zu Kopffe steigen
Daß man beschimpffen will was Tugend edel acht
Das Wappen nicht der Ruhm der Väter ist uns eigen.
Man setze weiter nach wie sie die Bahn gemacht;
Wann vieler Jahre Schweiß nicht soll umsonst zerrinnen:
Erhalten schätzet man so künstlich als gewinnen.