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1646–1699

Vermischte Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

So giebt Lorette nun dem Kräntzgen gutte Nacht Und will sich allgemach zum Frauen-Netze schicken? er Gärte reicher Schmuck der Blumen Krone Pracht oll izt ihr Silber-Haar nicht mehr wie vormahls schmücken?

as schadets wenn nur noch die Scham-gefärbten Wangen er roth-geküßte Mund mit Ros- und Nägeln prangen! Den Lippen gleichet sich die Zucker-Rose nicht Die Liljen die bey ihr auff Hals und Brüsten schweben

Die Tulipen die ihr beblümen das Gesicht Sind Blumen die mehr Glantz und Anmutt von sich geben; Als wenn ihr Rubars Zier und Spanjens Gelsaminen Ja Florens gantzes Reich zum Krantze müsten dienen.

Zwar Kräntze sind beliebt auch in der Götter Hauß Ein rund-geflochtner Zweig muß Nimph- und Helden zieren Der Himmel schmückt sich selbst mit Sternen-Kräntzen aus Läst Kräntz um Sonn und Mond und andre Lichter spüren;

Doch wenn die Sonne brennt wünscht man ihn mit Verlange Vom Schleyer brauner Nacht der Wolcken Haub umhange Es hüllt sich alle Welt in Schaub- und Hauben ein; Soll sich Lorett allein der Mode nicht bequemen.

Der Himmel will heut selbst mit ihr gehaubet seyn Daß sie sich nicht allein des Häubgens dörffe schämen. Wir sehn auch izt das Feld mit Faden übersponnen Was Wunder wenn Lorett ein gleiches hat begonnen.

Den Erden-Krantz verderbt der ungestüme Nord Des Herbstes rauhe Lufft macht Blum und Laub entfliehen: Hier bläst ein warmer Sud die welcken Blätter fort Und macht den bunten Krantz der Liebe Glutt verblühen:

Wann jene früher Frost und scharffer Reiff entfärben So kan wohl dieser auch von heissem Thau ersterben. Man geht bey Tag und Nacht mit Garn und Netzen aus Manch leichtes Feder-Kind mit Lust und List zu fangen;

Was ist die Haube denn? der Freyheit Vogel-Hauß Ein Netze nach der Jagt zur Siegs-Pracht ausgehangen. Muß hier die Jägerin gleich selbst im Netze liegen So zeuget solches doch von ihrem Fang- und Siegen.

Nun Bräutel gib mit Lust dem Kräntzgen gutte Nacht Laß Venus Sieges-Fahn um deine Scheitel fliegen Und dencke weist der Krantz gleich mehr von Gelder-Pracht So weiß die Haube mehr von würcklichem Vergnügen.

Das Glücke wird dein Netz aus edler Seyde weben Die Zeit viel neuen Zeug zu Kräntz- und Hauben geben.

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