Nun werff ich ab das Joch der stillen Einsamkeit
Und suche mehr vergnügt zu schlüssen meine Zeit;
Der falschen Freyheit Schein
Soll über meine Sinnen
Die selber herrschen künnen
Nicht mehr Tyranne seyn.
Wer unverehligt lebt nennt sein Gemütte frey:
Urtheilet wer von uns doch mehr gebunden sey!
Mich hat mein freyer Schluß
Zu einer Wahl verbunden
Um die er alle Stunden
In Sorgen stehen muß.
Was er verlieren will hebt er mit Sorgen auff
Erwartet offtermahls dafür den schlechtsten Kauff:
Er weiß nicht was er kriegt
Deuckt iedes sey das Seine;
Ich habe schon das Meine
Und bin damit vergnügt.
Jedweder Gegenstand ist seiner Liebe Ziel
Er muß ein Sclave seyn wo er nicht herrschen will:
Ich lebe wo ich lieb
Und liebe wo ich lebe;
Was ich empfang und gebe
Ist freyer Sinnen Trieb.
Die Augen aller Welt sind auff ihn zugericht;
Seht wie ihm jederman ein scharffes Urtheil spricht.
Bald lebet er zu frey
Bald will man übel deuten
Daß er zu stoltz bey Leuten
Zu blöd und traurig sey.
Was bringt ihm nicht für Furcht der heißen Liebe Macht
Wenn manch Lieb-reitzend Blick nach seiner Freyheit tracht
Wenn manche Venus ihn
An der ihm nichts gelegen
Auff unbekandten Wegen
Will in ihr Netze ziehn!
Löscht wohl der Seelen Brand ein abgestohlner Kuß
Wenn man für Augen sieht der andern Uberfluß
Wenn andre nehmen ein
Mit ungezählten Zahlen
Was uns zu vielen mahlen
Muß abgeschlagen seyn?