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1646–1699

Vermischte Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Nun werff ich ab das Joch der stillen Einsamkeit Und suche mehr vergnügt zu schlüssen meine Zeit; Der falschen Freyheit Schein Soll über meine Sinnen

Die selber herrschen künnen Nicht mehr Tyranne seyn. Wer unverehligt lebt nennt sein Gemütte frey: Urtheilet wer von uns doch mehr gebunden sey!

Mich hat mein freyer Schluß Zu einer Wahl verbunden Um die er alle Stunden In Sorgen stehen muß.

Was er verlieren will hebt er mit Sorgen auff Erwartet offtermahls dafür den schlechtsten Kauff: Er weiß nicht was er kriegt Deuckt iedes sey das Seine;

Ich habe schon das Meine Und bin damit vergnügt. Jedweder Gegenstand ist seiner Liebe Ziel Er muß ein Sclave seyn wo er nicht herrschen will:

Ich lebe wo ich lieb Und liebe wo ich lebe; Was ich empfang und gebe Ist freyer Sinnen Trieb.

Die Augen aller Welt sind auff ihn zugericht; Seht wie ihm jederman ein scharffes Urtheil spricht. Bald lebet er zu frey Bald will man übel deuten

Daß er zu stoltz bey Leuten Zu blöd und traurig sey. Was bringt ihm nicht für Furcht der heißen Liebe Macht Wenn manch Lieb-reitzend Blick nach seiner Freyheit tracht

Wenn manche Venus ihn An der ihm nichts gelegen Auff unbekandten Wegen Will in ihr Netze ziehn!

Löscht wohl der Seelen Brand ein abgestohlner Kuß Wenn man für Augen sieht der andern Uberfluß Wenn andre nehmen ein Mit ungezählten Zahlen

Was uns zu vielen mahlen Muß abgeschlagen seyn?

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