Was zwingt die Liebe nicht? Cupideus List und
Macht
Hat manchen Jupiter in seine Netze bracht.
Gradivens kühner Leib in Stahl geschlossen ein
Kan für den Waffen nicht der Venus sicher seyn.
Der Schönheit brennend Glantz verstärckt das helle
Licht
Im fall sein Gegen-Schein auff festen Stahl gericht
Kein Hertze findet sich so eisenhart und kalt
Sie bildet in ihm ab die liebliche Gestalt
Des Schönen Angesichts und heget wo nicht Brunst
Doch eine stille Glutt und zugethane Gunst.
Des Menschen Eigenschafft des Menschen Sinn und
Stand
Die Ordnung der Natur bringt mit sich solchen Brand
Den ein verliebter Geist in allen Adern fühlt
Mit steter Gegenwart zu neuem Zunder kühlt.
Nicht lieben was man doch für Liebens würdig hält
Ist eine Sache die zu schwer dem Willen fällt;
Dem Willen welcher diß zu haben ist bedacht
Was ihm der Sinnen Schluß als liebbar vorgebracht.
Diß Lieben was sich uns als unser Bildniß zeigt
Ja näher als ein Bild zu unsrer Gleichheit neigt
Ist unsre von Natur verpflichte Schuldigkeit
Die uns und was uns gleicht zu lieben selbst gebeut.
Zu dem noch die Gewalt des Gegenstandes kümmt
Die durch verborgnen Zug uns unsre Freyheit nimmt
Und mit dem Wercke selbst bezeugt vor iedermann:
Die Frauen-Liebe sey der Männer ihr Tyrann.