Wer will hinfort beständig bleiben
Wenn alles voller Unbestand?
Wer will in sein Gedächtnis schreiben
Was andre zeichnen in den Sand?
Was macht ein Celadon auff Erden
Wenn jeder will ein Hylas werden?
Was will man sich mit Treue plagen?
Cupidens Flügel sind bekandt
Die Venus hat von ihrem Wagen
Vorlängst den alten Zug verbannt
Für Schwan und Taube sieht man Raben
Und Sperling’ um die Deichsel draben.
Ich kan ja die von Hertzen lieben
Und jen’ aus Pflicht und Höfligkeit
Bey dieser mein Vergnügen üben
Mit jener schliessen meine Zeit:
An Ort und Art Gestalt und Stunden
Ist unser Lieben nicht gebunden.
So pflegt manch leichter Sinn zu sagen
Der sich mit Schaden luftig macht
Verbotnen Raub darvon zu tragen
Mit tausend Lüsten lebt bedacht.
Wer sich der Treue will befleissen
Muß alber oder einsam heissen.
Was aber fragt nach solchem Schmähen
Der Harnisch tugendvoller Brust.
Der Ausgang wird uns lassen sehen
Auff wen noch wart die beste Lust.
Wenn Stein und Gicht die Glieder brechen
Wird sie an ihm der Nachbar rächen.