Die betrübte Zeit bricht an
Da die matten Kräffte schwinden
Und der Geist die enge Bahn
Zu der Himmels Ruh soll finden.
Laß die Welt von Großmutt sprechen:
Sterben ist nicht Rosenbrechen.
Bittre Wermutt saure Qual
Ist der herbe Todes-Saamen:
Solche Kosten allzumahl
Die von Adams Stamme kamen.
Drum muß ich mit Seuffzen sprechen:
Sterben ist nicht Rosenbrechen.
Leib und Seele trennen sich
Aller Safft entgeht dem Hertzen
Sünd und Reue drücken mich
Bey viel tausend Angst und Schmertzen
Muß ich nicht mit Zittern sprechen:
Sterben ist nicht Rosenbrechen.
Die gewünschte Zeit bricht an
Da die blassen Sorgen schwinden
Und der müde Lebens-Kahn
Soll den sichern Hafen finden:
Laß das Fleisch die Dornen stechen
Sterbend muß man Rosen brechen.
Eine Rose blüht im Thal
Sarons Blum in eignem Nahmen
Diese leben allzumahl
Die zu diesem Stocke kamen:
Wenn mein Mund vergist zu sprechen
Will ich diese Rose brechen.
Jesus der mein ander Ich
Der mein Alles lebt im Hertzen
Sein Blutt labt und reinigt mich
Wenn mich tausend Schulden schwärtzen
Daß ich wohlgemutt kan sprechen:
Sterbend muß man Rosen brechen.
Edle Blütte Davids Reiß
Das ich sah am Oelberg liegen
Kühle mich im Todes-Schweiß
Labe mich in lezten Zügen
Ob des Todes Dörner stechen
Laß mich Lebens-Rosen brechen!