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1646–1699

Ruhe der Seelen in GOtt.

Hans Aßmann von Abschatz

Ach wo soll ich Ruhe finden Für den Ohnmachts-vollen Geist? Wenn der Sonnen Glantz verreist Und des Tages Kräffte schwinden Eil ich zwar dem Lager zu

Doch wo findt das Hertze Ruh? Nach der rauhen Stürme Bellen Welche manches Schiff bekriegt Unter Furcht und Angst gewiegt

Eilt es bey gestillten Wellen Auff den sichren Hafen zu Wo findt meine Seele Ruh? Nimmt der lange Tag ein Ende

So hört auch der Arbeit Lauff Und das heisse Schwitzen auff Müde Rücken matte Hände Werden frey von ihrer Last:

Wo findt meine Seele Rast? Auff der Wolcken nasses Weinen Zeiget sich der Sonnen Licht; Wenn der kalte Winter bricht

Muß die Frühlings-Lust erscheinen Für mein trübes Hertz allein Will nicht Licht nicht Sonne seyn. Vogel nehmen unter Zweigen

Grüner Bäume sichern Stand Thiere streichen durch das Land Haben doch ihr Lager eigen Ruhen offt bey düstrer Nacht

Wenn mein feuchtes Auge wacht. Ob ich bey den eitlen Freuden Irrdsche Ruhe suchen will Fehl ich doch das rechte Ziel.

Lust wird mir zu Last und Leyden Was ich mich zu zwingen thu: Wo findt meine Seele Ruh? Nehm ich Zuflucht zu den Höhen

Dieser ungetreuen Welt Manches Fall-Bret ist gestellt Wo man sicher denckt zu stehen Gunst verschwindt in einem Nu;

Wo findt meine Seele Ruh? Herr des Himmels und der Erden Zeige mir die gutte Bahn Wo ich Ruhe finden kan

Wo ich sicher für Beschwerden Frey für Creutzes-Bangigkeit Schließ im Frieden meine Zeit. Unter deine Gnaden-Flügel

Berg ich mich und ruhe wohl; Wird das Hertz offt Traurens voll Laß ich ihm doch nicht den Zügel Bey dir findt die Seele Rast

Welche du geschaffen hast. Nun so last das Hertze puffen Last das Aug in Thränen stehn Und den Pulß mit Zittern gehn!

Mein Geist soll zum HErren ruffen Unter aller Angst und Noth Ruhet meine Seel in GOTT. Diß was Erde nicht kan geben

Was die Welt umsonst verspricht Mangelt mir bey GOtte nicht Trost und Hülffe Ruh’ und Leben Für das Völck das GOtt vertraut

Ist die Ruhstatt doch gebaut.

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