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1646–1699

Himmel-Schlüssel oder Geistliche Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Was ist des Menschen Zeit und Leben als ein Tag Der einer düstren Nacht bey nahe gleichen mag; Der Morgen geht dahin eh des Verstandes Licht Sich von der Finsternis der jungen Jahr entbricht.

Der kurtze Mittag schließt den zweifelhafften Schein Der Ehren und des Glücks in enge Schrancken ein Ein früher Abend raubt unfehlbar Sonn und Licht Daß auch der Morgen offt und Mittag unterbricht

Auff diesen Abend folgt des Grabes schwartze Nacht. Wohl dem der so den Tag des Lebens zugebracht Daß er die stille Nacht in süsser Ruh verschließt Und frölich mit der Zeit den andern Morgen grüßt

Der einen ewigs Licht und Leben hoffen heist Den andern in das Reich der steten Nacht verweist. O Licht von welchem ich empfangen Schein und Licht Mein Morgen weiß ohn dich von keinem Lichte nicht

Mein Mittag muß ohn dich seyn düstre Mitternacht Mein Abend wird ohn dich in Schrecken zugebracht Drauff folget eine Nacht die mir in Ewigkeit Mit schwerer Finsternis und trüben Schatten dräut.

Der Morgen ist nunmehr durch deine Gunst vorbey Darinn kein Augenblick von finstren Wercken frey Dieselben laß verbannt vor deinem Angesicht In stete Finsterniß mich weiter schrecken nicht;

Den Mittag meiner Zeit und Jahre tret ich an Gieb daß ich von dir Licht und Sonne schöpffen kan Daß sich mein Auge lenckt nach deiner Lehre Pol Biß ich den eitlen Glantz der Welt gesegnen soll

Und von der trüben Nacht des Todes unerschreckt Zur frohen Ewigkeit von dir werd aufferweckt.

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