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1646–1699

Himmel-Schlüssel oder Geistliche Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Ich kan nicht lustig seyn mein traurig Hertze weinet Wenn mein verstellter Mund erfreut zu lachen scheinet Die Sprache zwinget sich das Hertze saget nein Es komme wie es will ich kan nicht lustig seyn.

Ich weiß nicht was mir fehlt; ich darff nicht Mangel leyden Des milden Himmels Gunst hat mir mein Theil bescheiden Obgleich kein Uberfluß im Kasten wird gezählt So reicht es immer zu ich weiß nicht was mir fehlt.

Mir mangelt freyer Mutt ich darff nicht Liebe klagen Kan keuscher Ehe Frucht auff beyden Armen tragen Die Ehrsucht plagt mich nicht die manchem wehe thut Nur das ist mein Beschwer mir mangelt freyer Mutt.

Der schwache Leib empfind wohl offt Beschwerligkeiten Und sieht ihm allgemach sein frühes Grab bereiten Trägt seinen Tod mit sich doch iedes Adams Kind Fühlt unterweilen was der schwache Leib empfind.

Die krancke Seele drückt wohl auch ein schwer Geblütte Jedoch am meisten steckt der Mangel im Gemütte Durch Hoffnung naher Grufft wird offt der Geist erquickt Wenn matter Glieder Last die krancke Seele drückt.

Ich leide steten Zwang bin bey vergnügten Stunden An stille Traurigkeit Verdruß und Angst gebunden Bin wachend voller Schlaff und bey Gesundheit kranck Bey Leben halber Tod ich leide steten Zwang.

Ich bin mir selber gram daß ich mich nicht kan zwingen In ungezwungner Lust ein Stündchen hinzubringen Und mehre den Verdruß durch Ungedult und Scham Doch thu ich was ich will ich bin mir selber gram.

Wer lindert meine Qual? Last Gold und Silber fliessen Last mich der Perlen Staub Corallen-Blutt geniessen Bringt saure Quellen her und zieht den Geist aus Stahl Diß alles hilfft mich nicht: Wer lindert meine Qual?

Kein Arzt verschafft mir Rath glückselig ist im Leben Wem GOtt ein frölich Hertz und freyen Sinn gegeben; Wofern der Höchste diß nicht mitgetheilet hat Ist alle Müh umsonst kein Arzt verschafft mir Rath.

Ach komm gewünschter Tod du Artzney vieler Klagen Du Anfang süsser Ruh du Ende schwerer Plagen Lust-Pforte Freuden-Schlaff Besieger aller Noth Ich sehne mich nach dir ach komm gewünschter Tod.

Willkommen liebes Grab du Wohn-Hauß vieler Brüder Der Müden Schlaff-Gemach du Ruhstatt sichrer Glieder Ich lege meine Noth mit Freuden bey dir ab Und sage wohlgemutt: Willkommen liebes Grab!

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