Skip to content
1646–1699

Himmel-Schlüssel oder Geistliche Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

O JEsu kleines Kind doch ewig grosser Held Ein Fürst in deinem Reich und Gast auff deiner Welt Mensch Bruder GOtt mein Freund du Trost und Licht der Izt kömmt der werthe Tag der dich zu uns gebracht

Der Christen frohe Schaar begehet ihn mit Freuden Und bringt mit Andacht zu die Wunder-volle Nacht. Man höret wie dein Lob in allen Kirchen klingt Von dem ein Engel selbst den frommen Hirten singt

Jedwedes gläubigs Hertz will seinen Eyfer zeigen Wünscht betet lobt und danckt so viel es immer kau Wie solt ich denn allein mit stummen Munde schweigen Nimm gnädig auch von mir die Hand voll Weyrauch an.

Wie billich sing ich dich du süsses Wunder-Kind Durch dessen kräfftig Wort der Welt-Kreiß ward gegründt Die Finsterniß erleucht der Himmel ausgebreitet Das Wasser abgetheilt die Sternen angebrennt

Die Erde mir zum Schloß und Garten zubereitet Mit Thieren ieder Art besezt ihr Element. Du bauest nicht vor dich wie groß die Welt mag seyn So wäre sie dir doch zur Wohnung allzu klein

Viel höher steigen noch die Wercke deiner Liebe; Du schaffest daß sie solln der Erde Meister seyn Den Mann vom Erden-Kloß das Weib von seiner Riebe Du prägest in den Thon dein edles Bildniß ein.

Ach leider! dieser Thon nimmt fremde Zeichen an Der Schlangen List verführt das Weib und sie den Mann Der rein-geschaffne Mensch wird zum befleckten Sünder Durch einen Apffel-Biß verleurt er GOttes Reich:

Der bösen Eltern Schuld erbt auff die bösen Kinder Und gleiche Missethat macht ihre Straffe gleich. O süsses Wunder-Kind wie kräfftig liebest du? Du schleussest dennoch nicht dein Vater-Hertze zu.

Was kein gefallner Geist in Ewigkeit kan hoffen Ist uns durch dich erlangt ein ausgesöhnter GOtt; Der Himmel stehet uns durch deine Wohlthat offen Der Segen vor den Fluch das Leben vor den Tod.

Du deinem Vater gleich an Alter und Gewalt Verleugnest uns zu gutt die göttliche Gestalt Und läst dich Pflege-Sohn des armen Josephs nennen: Du grosses Fürsten-Kind wirst an die Brust gelegt

Der Mutter welche dich vor Vater muß erkennen Und dich als reine Magd auff keuschen Armen trägt. Der König aller Welt giebt einem Bettler nach Die finstre Stallung ist sein königlich Gemach

Die Krippe fasset den der alle Welt erfüllet Der dem der Himmel ist sein täglich Ehren-Kleid Wird durstig und entblöst in Windeln eingehüllet Lebt reich von allem Gutt in höchster Dürfftigkeit.

Der des Gesetzes Joch von unsern Schultern thut Vergeust demselben nach sein königliches Blutt Nimmt die beschwerte Last auff seinen edlen Rücken Die unsre Zärtligkeit nicht länger tragen kan:

Vor dem sich Könige von fremden Landen bücken Den nimmt ein fremdes Land vor armen Fremdling an. Der manchen Fürsten-Thron in Asch und Staub verkehrt Flieht bey der finstern Nacht vor seiner Feinde Schwerd

Will einsam und verjagt in zarter Jugend reisen Erduldet ungescheut des Fliehens Ungemach Damit er uns den Weg zum Himmel möchte weisen Und wir durch Noth und Tod mit Freuden folgen nach.

O süsses Wunder-Kind wie kräfftig liebest du! Du schleust den Feinden nicht dein liebreich Hertze zu Du wilt sie ewig auch an deiner Seite wissen Giebst ihnen was du selbst begiebst die Himmels-Ruh

Versüssest ihren Tod durch Tod und Bluttvergiessen O süsses Wunder-Kind wie kräfftig liebest du? Hier steht die Feder an der Sinnen Krafft verschwindt Vor solcher Liebe Krafft mein Hertze wird entzündt

Von Flammen heisser Brunst ich küsse deine Wiegen Und lade dich zu mir in tieffster Demutt ein. Ach möchte dieser Schatz in meinen Armen liegen Wie würd ich so entzückt und voller Freuden seyn!

O JEsu GOttes Sohn und reines Jungfern-Kind Das sich zu gutte mir in unser Armutt findt Was soll und kan ich dir für deine Liebe schencken Nichts anders als mich selbst gewaschen durch dein Blutt.

Gieb daß ich möge stets an solche Liebe dencken Durch Würckung dieser Flamm entgehn der Höllen Glutt. Gieb daß ich dermahleinst o JEsu GOttes Sohn An dieser Krippen statt verehre deinen Thron

Den Stern der dich geweist zu deinen Füssen schaue Dich Gast der Welt begrüß in deinem Eigenthum Und ewig einverleibt der schönen Himmels-Aue Mit Engeln ohne Zahl besinge deinen Ruhm.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Himmel-Schlüssel oder Geistliche Gedichte. · Hans Aßmann von Abschatz · Poetry Cove