Lasset uns nach Zion wallen
Und die Schädel-Stätte sehn
Wo dem Schönsten unter allen
So viel Ubels ist geschehn!
Last uns ihm ein Grab-Lieb singen!
Nun sie ihn zur Ruhe bringen!
Der die Erde selbst ließ werden
Der den Himmel ausgespannt
Hat nichts Eignes auff der Erden
Borgt ihm Josephs fremden Sand
Wenn er aus der Grufft wird steigen
Ist der Himmel unser eigen.
An dem Creutze starb das Leben
Ruht im Grabes Schatten aus
Und die Sonn hat sich begeben
In das düstre Todten-Hauß
Aber last das trübe Weinen
Bald wird sie uns wieder scheinen.
Evens süsser Apffel-Bissen
Bringt die herbe Todes-Post
Solche wieder zu versüssen
Hat viel Schweiß und Blutt gekost;
Gottes Gnad an statt Napellen
Wächst an den benetzten Stellen.
Last uns in den Garten eilen
Wo die Myrrhen-Püschel stehn
Unsre Seelen auszuheilen
Zu den Balsam-Stauden gehn
Hier kan man ohn Dornenstechen
Edle Lebens-Rosen brechen.
Du Durchbrecher harter Steine
Den kein Marmor halten kan
Ich will dir auch mein Gebeine
Zu verwahren trauen an!
Du das Haubt du lebest wieder
Und erhebst auch deine Glieder.
Schatten mag die Erde decken
Finsternis die Lufft umziehn
Wenn mich Tod und Nacht erschrecken
Will ich in diß Lager fliehn.
Zu verschlaffen allen Jammer
Wähl ich hier die Ruhe-Kammer.
Nun so sey gegrüßt o Höle
Drauß des Lebens Echo klingt
Drauß für meine matte Seele
Labsal in dem Tod entspringt!
Eh man mich ins Grab soll sencken
Will ich dein zum Trost gedencken.