Skip to content
1646–1699

Eitelkeit.

Hans Aßmann von Abschatz

Ihr bejahrten Eich- und Tannen deren dick-umlaubtes Haubt Diesem Bache Schatten giebet ihre Macht der Sonnen raubt

Wie vergleicht sich euer Stand also wenig mit dem meinen! Wie so wenig kan der Mensch eurem Wesen ähnlich schei- nen! Hundert Jahre sind verstrichen und ihr seyd noch frisch und

gantz Eure Rind’ und Blätter haben noch vollkommen ihren Glantz. Ich bey Leben mehr als todt muß dem Rest der Jahre wei-

chen Eh ich noch das halbe Theil eures Alters kan erreichen. Euch muß nutzen mehr als schaden der beflammte Sonnen- Schein

Was der kalte Winter raubet bringt der warme Sommer ein; Ich erfriere wenn es kalt; ich verbrenne wenn es hitzet Weder Lentz noch Winter ists welcher mich vorm Tode schützet

Ihr erhebet eure Wipffel fast biß an das Sternen-Dach Ihr umarmet Lufft und Wolcken gebet keinem Sturme nach; Ich vor Blitz und Donner scheu muß das Haubt zur Erden biegen

Deren offne Schoß für mich machet Raum und Platz zu lie- gen. Sind nun mehr als wir die Bäume was erhebt sich unser Geist?

Was ists daß man in Gedancken über Mond und Sternen reist? Last uns iede Stund und Tag ieden Morgen also leben Als wenn auff den Abend wir müsten Gutt und Blutt be-

geben.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Eitelkeit. · Hans Aßmann von Abschatz · Poetry Cove