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1646–1699

Ehren-Gedichte.

Hans Aßmann von Abschatz

Was ist der kurtze Ruff der mit ins Grab versinckt Dafern er aus der Grufft nicht ewig widerschallet? Ein schneller Blitz der zwar von Ost biß Westen blinckt Doch bald vergessen ist wenn drauff kein Donner knallet

Ein Rauch der bald verfliegt ein Wind der bald verstreichet Ein Irrlicht dessen Schein für neuer Sonn erbleichet. Wie bald verkocht in uns die Hand voll kühnes Blutt? Wie eilends pflegt das Tacht des Lebens auszubrennen

Noch Hand noch Schädel weist den edlen Geist und Mutt; Wer will den Zunder in der Todten-Asch erkennen? Der welcher unser Lob erhalten soll auff Erden Muß deß in kurtzer Zeit ein stummer Zeuge werden.

Was hilffts den daß ein Mensch nach grossem Nahmen strebt Wenn sein Gedächtnis nicht kan zu der Nachwelt dringen? Für Agamemnons Zeit hat mancher Held gelebt Den seiner Tugend Preiß zun Sternen können bringen

Weil aber kein Homer zu ihm sich hat gefunden Ist seiner Thaten Glantz in dunckler Nacht verschwunden. Braucht allen Aloe und Balsam alter Welt Bemahlt nach Sothis Art die theuren Leichen-Kittel

Schnizt feste Cedern aus mit fremden Leim verquellt Bezeichnet Tuch und Sarg mit Bildern großer Tittel; Wird nicht ein Oedipus die schwartze Brust entdecken Bleibt im Verwesen doch eur Stand und Wesen stecken.

Baut hohe Gräber auff bedeckt mit einer Last Von Jaspis und Porphyr die dorrenden Gebeine Schreibt Nahmen Thun und Amt in Taffend und Damast In Holtz in Gold und Ertz in festen Stahl und Steine;

Zeit Moder Fäule Rost weiß alles zu entstalten: Des Nachruhms Ewigkeit ist anders zu erhalten. Sucht in des Cörpers Glutt für todten Nahmen Licht Es wird sein Glantz so bald als diese Flamme schwinden.

Ein unverzehrlich Oel wenn sein Gefässe bricht Muß durch die Lufft berührt samt eurem Ruhm erblinden. Der Mahler pflegt sein Licht mit Schatten zu erhöhen: In schwartzen Schrifften bleibt die Tugend helle stehen.

Weil in Pelaßger-Land die Künste hielten Hauß Sind seine Lorbeer-Zweig auch unversehrt beklieben; Rom breit’te seinen Ruhm durch Schwerdt und Feder aus: Was Cäsar hat gethan das hat er auch geschrieben.

Der Deutschen Dichterey der Barden Helden-Lieder Belebten Mannus Geist Tuiscons Asche wieder. Wem wär Epaminond ohn kluge Schrifft bekandt? Wer wolte nach Athens und Spartens Fürsten fragen?

Wo bliebe Lysimach der Leuen überwand? Würd auch die Welt was mehr vom Großen Grichen sagen? Es hätt ihr Nahme längst wie sie vermodern müssen Wenn sie kein weises Buch der Sterbligkeit entrissen.

Izt wär Horatius auff beyden Augen blind Die Flamme kühner Hand die sich so frey vergriffen Und freyer noch gestrafft verrauchet in den Wind Duil umsonst so offt er Essen gieng bepfiffen

Roms Schutz-Stab Scipio verfaulet und zerbrochen Wenn nicht ein Livius für sie das Wort gesprochen. Doch weil der Eitelkeit ein enges Ziel gesteckt Weil Bücher auch vergehn und Ehren-Säulen wancken

Siegs-Zeichen fallen um und Grauß den Marmel deckt Weil Schrifften sich verliern aus Augen und Gedancken Muß sie ein kluger Geist zu Zeiten wieder regen Und auff die alte Müntz ein neues Bildnis prägen.

Eh Guttenberg die Kunst zu schreiben ohne Kiel Zu reden für das Aug und Wörter abzumahlen In Deutschland auffgebracht als nur ein Rohr vom Ril Als Leinwand oder Wachs als Blätter oder Schalen

Als eines Thieres Haut allein gedient zu Schrifften Wer konte da der Welt ein lang Gedächtnis stifften? Wie sind Polybius und Dio mangelhafft? Was hat uns nicht die Zeit vom Tacitus genommen

Vom Curtius geraubt vom Crispus weggerafft Was ist vom Ammian in unsre Hände kommen? Viel andre haben zwar von andern viel geschrieben Ihr Nahmen aber selbst ist uns kaum übrig blieben.

So hat der leichte Wind vorlängst davon geführt Was Libis auffgesezt die Barden abgesungen. Wo wird der zehnde Theil von diesem mehr gespürt Was noch zu Celtens Zeit geschwebt auff tausend Zungen?

Und muß was übrig ist nicht vollends untergehen Weil kaum der Deutsche mehr den Deutschen kan verstehen? Manch Ritter edlen Blutts besang was er gethan Ob gleich sein Helden-Reim nicht klang in zarten Ohren

Man trifft von alter Zeit mehr als ein Merckmahl an Daß unser Schlesien zur Dichterey gebohren Wann selber dessen Fürst ein Heinrich uns sein Lieben (und anders mehr vielleicht) in Liedern hat beschrieben.

Die Stücke sind zwar schlecht die auff uns kommen seyn Und kan man wenig Licht in solchem Schatten finden Die Funcken geben bloß aus bleichen Kohlen Schein Doch sind sie unsern Sinn noch fähig zu entzünden:

Und daß die Kinder auch was Ahnen thäten lernen So muß ein neuer Glantz ihr dunckles Grab besternen. Ein Fremder schreibt von uns mit ungewisser Hand Sieht mit geborgtem Aug’ und redt mit andrem Munde

Ihm ist des Landes Art und Gegend unbekandt Gemeiner Wahn und Ruff dient ihm zum falschen Grunde. Offt nimmt er Ort für Mann und was er recht soll nennen Wird doch der Landsmann kaum in seiner Sprache kennen.

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