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1646–1699

Die Wett-streitende Doris.

Hans Aßmann von Abschatz

Das schöne Kleeblat der Göttinnen Das um den Apffel führte Zanck Gedachte nächst der Schönheit Danck Für meiner Doris zu gewinnen;

Doch Venus selber gab ihr nach Eh noch jemand das Urtheil sprach. Aglaja stund mit ihr im Streite An wem der Vorzug solte seyn:

Der beyden Schwestern holder Schein Zog erst viel Hertzen auff die Seite Doch ward mit Warheit ausgeführt Daß ihr der erste Stand gebührt.

Apollo ließ die Wolcken schwinden Braucht alle seine Glutt und Macht Wolt ihrer hellen Augen Pracht Durch seine Stralen überwinden:

Was aber kunte gegen Zweyn Der Glantz von einer Sonne seyn? Man hörte sie die Wette singen Mit einer stoltzen Nachtigall.

Wem hätte dieser süsse Schall Nicht durch das Hertze sollen dringen? Doch ihrer reinen Stimme Zier Gieng tausend Nachtigallen für.

An dem gelinden Oder-Strande Da sezten sie und Amor an Wer am gewißten schißen kan; Ihr blieb der Sieg und ihm die Schande.

Was sonst Cupidens Pfeil verlacht Das hat ihr Blicken wund gemacht. Wenn sie denn alles kan besiegen Und nichts ist das ihr widerspricht

Warum soll meine Freyheit nicht Zu ihren edlen Füssen liegen? Ich bin ihr willig unterthan Und bete meine Fässel an.

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