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1646–1699

Die verkleidete Schäferinnen.

Hans Aßmann von Abschatz

Hier schauet uns die Nimphen von dem Lande Die wohl vergnügt mit ihrem freyen Stande Durch schlaue List und falsche Pracht Niemand zu fangen seyn bedacht.

Kein stoltzes Band muß unser Haubt beziehn Kein theurer Staub berühret unser Haar Gold Liljen Rosen die ihr nehmet wahr Pflanzt die Natur mit eigner Hand dahin:

Der Mäyen-Thau der reine Bronnen Die Flutt der Spiegel-hellen Bach Muß unsrer frischen Wangen Anstrich seyn. Weil fauler Schlaff verdunckelt andre Sonnen

Die ihrer Wollust hengen nach Und schöner Wangen Purpur bleicht Beschämen wir durch unsern Schein Der Morgenröthe frühes Licht

Daß sich entfärbt der Erd entbricht: Dem klaren Antlitz gleicht die Reinigkeit der Sinnen. Kein trüglich Wort kein abgestohlner Blick Kein Zucker falscher Höffligkeit

Ist fremder Freyheit Fall und junger Hertzen Strick. Der Buhler Kunst die diese Zeit An Höfen treibt wird man bey uns nicht innen. Ein treues Hertz ein freyer Mutt

Ist unsrer keuschen Seele gutt. Um Geld und Pracht stehn wir nicht feil Betrug und List hat hier kein Theil. Wer unser Hertze will erheben

Muß seines um das unsre geben.

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