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1646–1699

Die Blattern oder Kinder-Pocken.

Hans Aßmann von Abschatz

Ihr Kinder schnöder Eitelkeit Die ihr mit theuren Steinen pranget Was eine Muschel zubereit Aus weit-entfernter See verlanget

Kommt seht die Perlen und Rubinen Die mir itzund zum Schmucke dienen. Ihr die ihr eurer Farbe traut Und auff ein Fleckgen zweyer Hände

Das Schloß der stoltzen Hoffart baut Vergoldt das Dach bemahlt die Wände Seht den Zinnober und die Kreyde Darein ich meine Wangen kleide.

Ihr die ihr vor des Spiegels Eyß Den Mund in seine Falten richtet Und wie euch der zu rathen weiß Das Auge nachzuthun verpflichtet

Kommt seht hier könt ihr in Geberden Und Blicken unterrichtet werden. Ihr die ihr Oel und Bisam braucht Zibeth und Balsam an euch schmieret

Um die ein Staub von Zypern raucht Der Mosch und Ambra mit sich führet Kommt her zu meinem Krancken-Bette Und riechet mit mir in die Wette.

Ihr die ihr Sammt und Seide kaufft Der Glieder Blöße zu verhüllen Nach Gold-gewürckten Zeugen laufft Die Neu- und Ehrsucht zu bestillen

Kommt seht die ausgestückte Decke Darein ich meinen Leib verstecke. Ihr die ihr noch mit guttem Mutt Und ungekränckten Gliedern prahlet

Bey denen noch ein frisches Blutt Die unbenarbten Wangen mahlet Seht mich mit Blattern angefüllet Aus denen Stanck und Fäulnis quillet.

Der Schnee der vormahls zarten Haut Ist von den Wangen weg gewichen Die Glutt die man mich brennen schaut Hat sie mit Purpur angestrichen

Die Stirne starrt von Edelsteinen Durch welche Blutt und Eyter scheinen. Mein mattes Haupt hängt nach der Seit Und krümmt den Mund ob seinen Plagen

Der Fuß voll schwacher Müdigkeit Kan nicht den magern Leib mehr tragen Der fast verschlossnen Augen Kertzen Bethränen rinnend meine Schmertzen.

Diß ist der Sünden Liberey Die ich an meinen Gliedern führe: Vielleicht kömmt bald die Zeit herbey Die euch nach gleicher Art beziere

Den stoltz-gesinnten Hochmutt lege Des Todes Bildnis in euch präge.

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