Wiewohl schlägt mir die öde Gegend zu! Diß brauner Nacht geweyhte Feld Entfernet vom Geschrey der Welt Ist meiner Unruh süsse Ruh:
Diß Thal darinn ich mich verborgen Ist ein Begräbnis meiner Sorgen. Mein Auge schaut hier mit Vergnügen an Der dick belaubten Bäume Schaar
Darvon so mancher gleiche Jahr Mit Welt und Erde zählen kan Den seiner Faunen Gunst bewahret Und diß auff diese Zeit gesparet.
Die frische Lufft spielt um ihr stoltzes Haubt Und Zephyr küst sie Tag und Nacht Nichts als der hohe Wipffel macht Ihr greises Alterthum beglaubt:
Wie sie den ersten Tag geschienen So sieht man sie noch heute grünen. Hier ists wo mir in stiller Einsamkeit Das Schatten-Kind die Nachtigall
Mit ihrer süssen Stimme Schall Vertreibt so manche schwere Zeit Wo sie den Lüfften saget wieder Den Inhalt meiner Trauer-Lieder.
Hier wird von mir mit höchster Lust geschaut Wie auff den Felsen dar und hier Umklettert manch verwegnes Thier Wie die Natur so kühn gebaut
Und offt so schlechten Grund offt keinen Gegeben hat den schweren Steinen. Hier schau ich wie die Silber-helle Bach Dort von dem hohen Berge fliest
Und dieses grüne Thal begiest Da geh ich ihrem Ufer nach Und seh die gläntzenden Forellen Aus ihren frischen Steinen quellen.
Hier bild ich mir die schöne Gegend ein Die man der Musen Wohnung hieß Wo ieder Tropffen ieder Kieß Crystall und Perle muste seyn
Wo man nichts auff beblümten Auen Als Edelsteine konte schauen. Wiewohl gefällt mir dieser stille See Um den so mancher Erlen-Baum
Bey Weyd und Ilme nimmet Raum Der nie kein scharffer Stal thät weh: Wo unter den begrünten Hecken So manche Feder-Kinder stecken.
Hier siehet man wie in der Nimphen Hand Sich die geflochtne Semde biegt Wie die zerstreute Kolbe fliegt Um den beschilfften Wasser-Rand
Wie sich die Frösch am Lande sönnen Und in der Flutt verbergen können. Bald schliest aus Furcht die feuchte Schneck ihr Thor Bald offnet sie ihr Muschel-Hauß
Die Ganß pflückt ihre Federn aus Der Taucher sinckt und schwebt empor; Man sieht wie Schnepff- und Wasser-Hennen Auch in der Flutt vor Liebe brennen.
Hier finden Aahr und Reiger ihre Kost Dort schluckt der Hecht den Weißfisch ein Hier pflegt der schlaue Fuchs zu seyn Der Fischen schäzt für seine Lust
Dort siehet man den glatten Otter Sich mühen um sein schuppicht Futter. Kein Kahn noch Karn kam ie der Gegend bey Kein Wandersmann von Durst geplagt
Kein Reh von Hunden auffgejagt Sucht ob ihm hier zu helffen sey; Kein Angel giebt Verräthers-weise Den Fischen Stal und Tod zur Speise.
Da weiset sich verlebter Mauren Pracht Ein Thurn der hundert Ritze kriegt Und mehr als halb zu Boden liegt Ein Schloß das wüst und unbedacht
Auff ungewissen Pfeilern schwebet In eigner Asche sich begräbet. Was bleibet nur von Tod und Zeit verschont? Was stoltzer Herren Lust-Sitz war
Muß eh verlauffen tausend Jahr Von Schlang- und Ottern seyn bewohnt Muß seyn ein Auffenthalt der Eulen Ein Ort wo Wölff und Bären heulen.
Dem Raben dient das Schlaffgemach Ein Rittelweib bemahlt die Wand Im Saale zu der rechten Hand Hält Her und Unhold ihr Gelag;
Wer sieht durch die gebrochnen Fenster Als schwartze Geister und Gespenster? Die Eiche steht wo sie vor diesem lag Die Birck ein ander Phönix grünt
Wo sie zu Feuer vor gedient: Wo Roßmarin zu blühen pflag Wo Reb und Rose war zu finden Sieht man sich Dorn in Dornen winden.
Die Schnecke kriecht die bunte Kröte quarrt Wo vor die Wendelstiege stund Der hohe Sparn der tieffe Grund Liegt izt zusammen eingescharrt
Manch Brett das vor bedielt den Söller Steckt in dem Wasser-vollem Keller. Da stehet noch in harten Stein gehauen Ein Denckspruch von der alten Zeit
Da kan man deutscher Redligkeit Ein Bild in treuen Ziffern schauen Da kan man in der Bäume Rinden Noch halb-verweste Wörter finden.
Dort zeiget sich ein Hauß ohn Art und Stal Gezimmert in den holen Berg Ein unterirdisch Wunderwerck Ein Schloß ohn Stütze Dach und Pfahl
Ein Ort befreyt von Sturm und Winden Den Phöbus selbst nicht weiß zu finden. Der Schlaff schliest hier die schweren Augen zu Ein stilles Schweigen wiegt ihn ein
Die Erde muß sein Bette seyn Auff dem er nimmt die sanffte Ruh Der feuchte Moß sein Schulter-Küssen Vergnügung liegt zu seinen Füssen.
In dieser Höl an dieser kühlen statt Klagt Echo die ohn Ende brennt Wie sich Narciß von ihr entwendt Und keine Brunst empfunden hat:
Hier ists wo wir die Wette klagen Und uns um Rath zusammen fragen. O süsser Ort wiewohl schlägst du mir zu O angenehme Einsamkeit!
Ach daß ich könt auff Lebens-Zeit Bey dir genüssen stoltzer Ruh Und meine Lieb und Treu ausschreyen In deinen öden Wüsteneyen.
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