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Des Portes

Hans Aßmann von Abschatz

Nichts was des Himmels Zorn auff unsre Schultern legt Was unsre Zärtligkeit mit Furcht und Schrecken trägt Nicht Sorge Leyd und Qual nicht Kummer Angst und Wehe Nicht Armutt Streit und Haß nicht Brand noch Wassers-Noth

Nicht Hitze Kält und Frost nicht Hunger Mord und Tod Gleicht sich an Grausamkeit dem schweren Joch der Ehe. Gesetze welches dient zum Hencker unsrer Lust Durch dessen rauhen Zwang entsteht in unsrer Brust

Verachtung Eyffer Neyd Verdruß und Widerwillen! Gefängnis welches Leib und Geist zugleich bestrickt Gifft welches unsre Rast und Ruh zu Grabe schickt Das zu vergleichen steht den bitter-süssen Pillen.

Man sagt als Jupiter Prometheus kühne That Zur Straff in vollem Grimm und Zorn gezogen hat Als sein verfluchter Leib den Vogeln ward zur Speise So habe sich noch nicht sein Eyffer abgekühlt;

Damit man nicht wie vor mit seiner Gottheit spielt Strafft er die arme Welt auff mehr denn eine Weise. Es wird ein Weib von ihm den Menschen zugeschickt Der Lieb- und Freundligkeit aus ihren Augen blickt.

Die Alabaster Hand trägt alles Ubels Saamen Gefüllet in ein Horn Furcht Feindschafft Traurigkeit Die Sorge samt dem Schmertz das Alter böse Zeit Und was man auff der Welt hat vor verhasste Nahmen.

Aus ihrer Stirne macht die Venus Helffenbein Apollo flösset ihr beliebte Reden ein Ihr Hertze stält Vulcan Mars giebet ihr zur Steuer Den kühn- und frechen Mutt den man noch heute schaut.

Der Mensch erkieset sie alsbald zu seiner Braut Wie wird doch ihm und uns die schnöde Wahl so theuer! Hiervon soll der Tyrann der Ehstand kommen her: Zu herrschen über uns ist einig sein Begehr

Die Freyheit seinen Feind kan er nicht um sich leiden: Sein Auge winckt es lacht der Mund uns lockt die Hand Den der zu nahe traut umfast ein solches Band Daß ihn der blasse Tod allein davon kan scheiden.

An seiner Seiten hält die Mühsamkeit die Wacht Der Fleiß die Arbeit giebt auff Thun und Wincken Acht. An der Trabanten statt pflegt um thn her zu lauffen Neyd Eyffer nebst der Furcht die unbekannte Pein

(So schätzet sie der Wahn) Actäons Hirsch zu seyn Die späte Reue sieht man schlüssen diesen Hauffen. Die blasse Traurigkeit der Zorn verfolgen ihn Die Liebe wo er herrscht pflegt weiter fort zu ziehn

Die seiner Grausamkeit soll Deck und Larve geben. Denn sie von langer Zeit zu siegen abgericht Ihr eigen Ober-Herr kennt kein Gesetze nicht Läst keinen schnöden Zwang an ihrem Hofe leben.

Der Dichter Schaar erzehlt von Plagen ohne Zahl Vom Steine Sisyphus und von Ixions Qual Vom schwartzen Cerberus und von Megärens Schlangen Und was sie uns noch mehr Erschrecklichs bilden für:

Diß alles geht noch hin: viel schwerer scheinet mir Zu leiden wen das Joch der Ehe hält gefangen. In ein Gefängnis seyn versteckt auff Lebens-Zeit Ertragen tausend Müh und Widerwärtigkeit

Ein greulich Weib bey sich im Hauß und Bette wissen Sie hütten wo sie schön nachforschen was man sagt Mit steter Furcht mit Zorn und Sorge seyn geplagt Ist mehr als Tityus von seinem Geyer büssen.

Ich schweige was uns mehr vor Kummer wird gemacht So manchen schweren Tag so manche böse Nacht So manch verdrüßlich Wort und so viel herbe Klagen: Wer diese zählen will wird eh der Sternen Heer

Die Blumen durch den Mäy den leichten Sand am Meer Die Aehren durch das Feld in ein Register tragen. Warum denn brauchen wir Vernunfft und Augen nicht Zu fliehen diesen Ort wo andern weh geschicht!

Warum denn wollen wir nicht diesen Abgrund meyden? Selbst unser Untergang gefällt uns allzuwohl Wir schmieden dieses Schwerdt das uns verletzen soll Und suchen uns den Fels an dem wir Schiffbruch leiden.

Hielt unsre Augen nicht ein tieffer Schlaff verblendt Es würde die Gefahr am Hochzeit-Tag erkennt Und was vor Glück und Lust ins künfftig sey zu hoffen. Der hellen Fackeln Brand stimmt unserm Brande bey

Der Musicanten Schall die Unruh das Geschrey Scheint unser künfftig Leyd und Leyden auszuruffen. Hört Menschen die ihr nicht auff rechtem Wege seyd Und eilet gleich als blind in schwere Dienstbarkeit

Seht auff das mindste wie und wen ihr sollet nehmen: Bringt euch ein reiches Weib viel Schätz und Gütter ein So muß eur Ohre taub die Zunge stumm zu seyn Das Auge nicht zu sehn sich alsobald bequemen.

Was bildet ihr nicht ein ihr auffgeblasner Geist Der den verachten Mann bald so bald anders heist Und täglich daß er ihr nicht werth noch würdig saget? Was sie gedenckt und thut ist voller Tyranney.

Ein Sclave welchen stets der schweren Geissel Bley Der harte Prügel treibt ist nicht wie er geplaget. Bringt sie die Armutt euch zur Steuer in das Hauß So weichet alle Lust und alle Freude draus

Der nackten Kinder Last die Brodt zu heischen pflegen Der leeren Kasten Zahl des Mangels Uberfluß Macht daß man Tag und Nacht in Sorgen leben muß. Da wo die Armutt ist kömmt alles ungelegen.

Nehmt ihr ein schönes Weib so dencket zuvorhin Daß Furcht und Sorge nie von eurer Schwelle ziehn Des Nachbars Blicke kan eur Eyffer nicht verbitten Ihr stellt ein jeder nach: Wer jeden hindern will

Der richtet wenig aus und unterfängt sich viel Ein schönes Frauensbild ist sehr beschwert zu hütten. Nehmt ihr ein häßlich Weib Vergnügen gutte Nacht! Aus eurem Hauße wird ein Kercker euch gemacht

Kein Sonnenschein wird euch erfreuen oder plagen Die Thränen sind eur Tranck Betrübnis eure Kost. Denckt bey euch selber was ihr haben könt vor Lust Des schönsten Weibes kriegt man satt in dreyen Tagen.

Wen ein vergiffter Pfeil von Amors Bogen trifft Der brauche nur alsbald das starcke Gegen-Gifft: Es wird ihm Lieb und Lust in kurtzer Zeit vertreiben. Hat dein verliebtes Hertz entzündet fremde Zier:

Begehrstu kalt zu seyn? vermähle dich mit ihr. Kein besser Mittel kan Hippocrates verschreiben. O Leben welches uns das Leben sauer macht Tod den der Tod allein kan tödten gutte Nacht!

Zur Rache müsse sich mein ärgster Feind vermählen. Mein ungezwungner Geist bleibt von dir ungefällt Die Freyheit gehet mir vor alles in der Welt Ich will mir eh ein Grab als eine Frau erwählen.

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