Des Monden halb-erstorbnes Licht Weist sein erblaßtes Angesicht Durch trüber Wolcken finstre Decken. Der Schatten tunckel brauner Nacht
Der Aug und Ohren irrend macht Umgiebt den Erdenkreiß mit Schrecken. Du liegst mein Freund in sanffter Ruh Schleust die verliebten Augen zu
Kanst was du wilt im Traum umfassen. Ich muß zu ungewohnter Zeit An Leib und Geist voll Müdigkeit Das kaum erwarmte Lager lassen.
Ich muß durch alles Ungemach Das Wind und Winter ziehen nach In unbekandter Gegend reisen Wohin mich durch ein schlimmes Land
Des Welt-Beschreibers kühne Hand Und theur-gekauffte Führer weisen. Ich ändre täglich Kost und Heerd Vertausche Wohnung Bett und Pferd
Nichts und doch alles ist mein eigen Nichts ruhet an mir als der Mund Dem offt den gantzen Tag vergunt In stiller Einsamkeit zu schweigen.
Wo gehn wir izt mit gleichem Sinn In zwey ungleiche Strassen hin Die ich und du so offt gemessen? Wo können wir izt unsrer Pein
Und Lust geheime Zeugen seyn Zusammen schlaffen trincken essen? Wer sieht uns wenn der Tag entsteht Und Phöbus gegen Westen geht
Um Leydens schöne Stadt spatzieren? Wer sieht uns in Vertrauligkeit Auff nahen Gräntzen steten Streit Und süssen Krieg zusammen führen?
Ach Hertze könnt ich bey dir seyn! Doch weil der Himmel nicht stimmt ein Mit meinem Wünschen und Verlangen So lebe wohl-beglückt mein Kind
Biß mir die Vater-Erde günnt Dich mit Vergnügen zu umfangen. Indessen soll die Ewigkeit In das Register grauer Zeit
Und an des Himmels Wände schreiben Daß dir und deiner Brüderschafft Biß ihn der blasse Tod wegrafft Dein Damon treu und hold wird bleiben.
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