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1646–1699

Der Glücks-Topff.

Hans Aßmann von Abschatz

Wenn wir der finstern Höl und Wohnung sind entgangen Darinn uns die Natur neun Monat hält gefangen. on solcher düstern Nacht und tieffem Schlaff entrissen es hellen Tages Licht zum ersten mahl begrüssen

o pfleget uns alsbald der Himmel vorzuschreiben as der und jener Mensch vor Lebens-Art soll treiben. Es hat die Ewigkeit den Sternen eingepräget Was ein iedweder Sinn vor Neigung bey sich träget

Man siehet dannenher aus schwacher Reiser Blühen Was ihr bejahrter Stamm vor Früchte wird erziehen. Bey diesem sehn wir Lust zu Wissenschafft entspringen Und unterschiedner Art verschiedne Früchte bringen

Der Eine folget nach dem Triebe seiner Sinnen Sucht seinen Auffenthalt durch Künste zu gewinnen Lehrt die verkehrte Welt nach Gottes Willen leben Beym Richter einen Spruch vor seinen Theil erheben

Der eingefallnen Hand den schwachen Puls berühren Durch zweiffelhafften Satz das Gegentheil verführen Sich um ein jedes Wort in tausend andern zweyen Durch süsser Reime Schall ein zartes Ohr erfreuen

Und durch was Mittel mehr die Sicherheit vom Sterben Ein Weißheit-schwangres Hirn gedencket zu erwerben. Ein andrer mag nicht stets in fauler Ruhe sitzen Bey seiner Mutter Schos und hinterm Ofen schwitzen

Will lieber in die Welt durch Hagel Eyß und Eisen Auch durch erzürnte See durch Wind und Wellen reisen Und gegenwärtig selbst erfahren sehn und hören Was ungewisser uns die stummen Bücher lehren.

Ein andrer voll von Mutt und kühner Helden Hitze Beut seinem Feinde dar die kriegerische Spitze Wo Trommel und Trompet im freyen Felde klingen Wo ihren rauhen Paß die groben Stücke singen

Wo man ein festes Ort bestürmet und beschützet Wo man das heiße Blutt aus hundert Wunden schwitzet Da hat er einen Sitz und Wohnung auffgeschlagen Bereit vor Ehr und Gutt das Leben hinzuwagen.

Ein andrer den sein Sinn zu Ruh und Friede träget Denckt emsig nach wie er der stillen Wirthschafft pfleget Wo er den Tünger soll dick oder dünne breiten Wie er das fette Feld soll seicht und tieff bereiten

Ob er die reiffe Frucht läst hauen oder schneiden Wo er die Schafe soll wo Pferd und Rindvieh weyden Wo Erbsen Rüben Kraut und Hierse wohl gerathen Wo Jagt und Fischerey am besten gehn von staten

Wie Schweine Federvieh und Bienen auffzubringen Und was ein Land-Wirth mehr weiß von dergleichen Dingen. Ein andrer nahet sich zu grosser Fürsten Throne Wählt vor den Hutt von Stroh die Demant-reiche Krone

Will lieber Tag und Nacht in hohen Sorgen schwitzen Als weit von Hof und Stadt in stiller Ruhe sitzen Will lieber tieff gebückt an fremde Zepter rühren Als seinen Hirtenstab in freyen Händen führen

Will lieber fremder Macht zum Dienste sich ergeben Als sein selbst-eigen Herr und seines Willens leben Sucht vor ein niedrigs Hauß die stoltzen Pracht-Gebäue Giebt öffters hin um Ehr und Gütter Seel und Treue

Muß sich ie mehr er steigt ie mehr zum Falle wagen Und als ein leichter Ball vom Glücke lassen schlagen. Ein andrer machet sich zum Sclaven blinder Liebe Folgt seiner Eigenschafft und Lüste kühnem Triebe

Bett seine Göttin an abgöttert ihren Augen Vor denen Sonn und Mond und Sternen wenig taugen Macht lauter Edelstein aus ihrem Mund und Wangen Rühmt wie der Haare Gold sein Hertze nimmt gefangen

Wie sein verliebter Geist in hellen Flammen brennet nd keine Kühlung sonst als ihre Küsse kennet ringt Täg und Nächte zu vor seiner Liebsten Pforte iebt seine Freyheit hin um ein paar süsser Worte.

in andrer schleust sich ein in seines Closters Wände in Raum sechs Ellen breit ist ihm der Erden Ende ein Zeit-Vertreib ein Buch Gedancken sein Geselle ein Königreich die Kutt und sein Pallast die Zelle

r will den geilen Leib durch Sparsamkeit casteyen erbannt sich von der Welt in öde Wüsteneyen erstellet kränckt und schwächt die sonst geschickten Glieder gt all Empfindligkeit vor seiner Schwelle nieder.

n andrer will der Welt und ihrer Lust genüssen st seine Frühlings-Zeit in Fröligkeit verschüssen st vor die späte Nacht läst vor den andern Morgen or Hauß vor Weib und Kind die grauen Alten sorgen

st ihm ein frisches Glaß voll Wein und Bier gefallen n thönendes Ronda in seinen Ohren schallen Hat Hertze Wort und Glaß auff eine Zeit im Munde Wendt auff dergleichen Lust bey Freunden manche Stunde.

So führt der Eine diß der Andre das im Schilde Wir Brüder sind nach Holtz geschickt zu jedem Bilde. Laß uns von allem was zu unserm Vortheil wehlen So kan ja unser Schluß das Beste nicht verfehlen

Zwar unsre Jugend hat zum erstren sich geneiget Gleich wie das Werck izt selbst des andern Probe zeiget; Wer weiß wo noch Gradiv des dritten uns gewehret! Das vierdte wird uns schon zu seiner Zeit bescheret

Das fünffte mag dem Glück anheim gestellet bleiben Das sechste müssen wir ohn alle Mittel treiben. Denn wo dergleichen nicht von Adam her geschehen Wer wolt uns dieser Zeit in Straßburg sitzen sehen?

Was folget giebt sich selbst wenn wir zu Witwern werden Und unser halbes Theil verscharren in die Erden Wenn mit der Zeit die Kräfft in unsrer Brust verseigen Und wir des Todes Bild in allen Gliedern zeigen.

Da lernen wir der Welt Ade und Urlaub geben Und mitten in der Welt als Closter-Leute leben Da müssen wir offt Speiß und Tranck gezwungen missen In Bett und Schlaffgemach den siechen Cörper schlüssen.

Drum Bruder weil so viel die Jahre noch vergünnen Laß deinen Nahmens-Tag nicht ohne Lust zerrinnen Laß gutte Freund hiervon das beste Theil genüssen So soll er dich noch offt in Freud und Lust begrüssen.

Und weil wir noch zur Zeit in Ungewißheit schweben In welchem Stande wir ins künfftig werden leben So wollen wir vor Lust in diesen Glücks-Topff langen Vielleichte können wir was uns vergnügt empfangen.

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