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1646–1699

An den edlen Pfingst-Wind GOtt den heiligen Geist.

Hans Aßmann von Abschatz

Komm linder West laß deinen Athem spüren Die Sulamith verlangt und seuffzt nach dir Ihr Garten will Geruch und Schmuck verlieren Drum finde dich mit Hold und Trost zu ihr.

Der strenge Nord bestürmet ihre Sinnen Das Hertze wird als ein gefrornes Eiß Die Hoffnung will nicht Blütt und Stock gewinnen Die Andacht starrt die keine Flamme weiß.

Ein dürrer Ost entzieht die welcken Kräffte Sein Blasen hemmt den frischen Perlen-Thau Der trockne Staub verzehret Marck und Säffte Manch Tugend-Blat erstirbt auff matter Au:

Offt muß sie auch den heissen Süd empfinden Wenn Creutzes-Brand in Blutt und Adern wallt Bey Mittags-Glutt will aller Schatten schwinden Und sie verliert Mutt Anmutt und Gestalt.

Komm linder West laß deinen Athem spüren Daß Sulamith die schwache wird ergözt Ihr Garten wird viel neue Früchte führen Wenn ihn durch dich ein Gnaden-Regen nezt.

Dein sanffter Hauch dein angenehmes Wehen Besämet ihn mit Gott-beliebter Frucht Das wilde Land wird sich verbessert sehen Durch deinen Geist und Trieb anheimgesucht.

Komm linder West laß deinen Athem spielen Daß sich bey uns der Glaub’ an GOtt entzünd. Komm reiner Geist laß deine Regung fühlen Daß sich die Brust von Liebe heiß befind.

O werther Gast zeuch ein mit deinem Worte Komm finde dich mit deinen Gaben ein Wir öffnen dir mit Lust des Hertzens Pforte Und Seel und Geist soll deine Wohnung seyn.

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An den edlen Pfingst-Wind GOtt den heiligen Geist. · Hans Aßmann von Abschatz · Poetry Cove