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1646–1699

23. Die Schöne Weinende.

Hans Aßmann von Abschatz

Du läst mein werthes Kind die heissen Zähren schiessen: Mein treues Auge schäzt dein Weinen lauter Wein. Ich wünschte daß du möchtst ein andrer Argus seyn Und solche Thränen-Bach aus hundert Augen giessen.

Du edles Seelen-Blutt köntstu in Ströme flüssen Wie wolt ich so mit Lust mich in dir tauchen ein. Die Perlen Indiens sind nicht wie du so rein. Jedweder Tropffen ist statt Spiegels zu genüssen.

O Brunnen zugericht ein Blumen-Feld zu netzen Man muß eur heilsam Saltz vor kluge Weißheit schätzen; Ihr wascht was eurer Zier den mindsten Flecken gab. So wird der Liebe Brand gelöscht und ausgeschwizt:

So kühlt was Phöbus Glutt den langen Tag erhizt Die schöne Morgen-Röth in linden Thränen ab.

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